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| REDAKTION |
Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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| ©
2008 by Michael Laublättner |
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| Das
Umformerwerk Ötztal (Foto: Michael Laublättner) |
Die
Zentrale Leitstelle Innsbruck / Das Umformerwerk Ötztal / Die
Unterwerke
der Arlbergbahn
Rund 60% des gesamten Streckennetzes der Österreichischen Bundesbahnen
sind elektrifiziert. Auf diesem ca. 3400 km langen elektrifizierten
Streckennetz verkehren 96% aller Personen- und Güterzüge
(Zentrale Leistelle Innsbruck: 3).
Für die Aufbringung der benötigten Traktionsenergie stehen
den ÖBB sieben bahneigene Wasserkraftwerke (Braz, Enzingerboden,
Fulpmes, Schneiderau, Spullersee, Obervellach, Uttendorf), fünf
bahnfremde Wasserkraftwerke mit Bahnstrommaschinensätzen (Achensee,
Annabrücke, St. Pantaleon, Steeg, Weyer) sowie fünf bahneigene
Umformerwerke (Auhof, Bergern, Kledering, Ötztal, St. Michael)
zur Verfügung, in denen 50-Hz-Drehstrom aus dem öffentlichen
Verbundnetz mithilfe rotierender Umformer in den 16 2/3-Hz-Bahnstrom
umgewandelt wird (Umformerwerk Ötztal: 2). |
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| Die
Lastverteilerwarte der Zentralen Leitstelle Innsbruck (Foto:
Benedikt Rödel) |
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Für
die Überwachung und Fernsteuerung der Kraft- und Umformerwerke
sowie des gesamten 110-kV-Verbundnetzes der ÖBB zeichnet die Zentrale Leitstelle Innsbruck verantwortlich.
Die Inbetriebnahme der ersten Einrichtung dieser Art erfolgte am 09.03.1925
mit dem Zusammenschluß des Kraftwerkes Spullersee und des Ruetzkraftwerkes
im Verbundbetrieb. Die Steuerung des Verbundnetzes übernimmt
ein "Schalttechnischer Dienst" der Kraftwerks- und Elektrostreckenleitung
Innsbruck mit einer einfachen Schaltwarte.
Infolge des vergrößerten Verbundnetzes kam es im Jahre
1941 zur Inbetriebnahme einer Lastverteilerwarte. Diese wurde im Jahre
1983 durch eine neue Anlage ersetzt, um den abermals gestiegenen Anforderungen
gerecht zu werden. Gemäß dem damaligen Stand der Technik
sah auch die Ausstattung dieser neuen Lastverteilerwarte vorwiegend
konventionelle Technologie mit nur geringfügiger Rechnerunterstützung
vor.
Seit 1998 verfügt die Zentrale Leitstelle Innsbruck über
eine der modernsten Anlagen dieser Art in gang Europa. Der jährliche
Bedarf an elektrischer Traktionsenergie beläuft sich auf ca.
2100 GWh. Rund 30% dieses Bedarfes werden von den ÖBB selbst
aufgebracht, die restlichen 70% müssen durch Fremdstrombezug
abgedeckt werden. Die Bereitstellung der benötigen Traktionsenergie
obliegt wie bereits erwähnt der Zentralen Leitstelle Innsbruck.
In Anbetracht der kurzfristig auftretenden sehr großen Bedarfsschwankungen
stellt die Bahnstrombereitstellung eine besondere Herausforderung
dar. Diese Lastschwankungen sind auf die Beschleunigungsphase der
Lokomotiven zurückzuführen. Während dieser Phase besteht
kurzzeitig ein sehr hoher Stromverbrauch, der jedoch nach Erreichen
der Sollgeschwindigkeit rasch abfällt.
Ein Großteil dieser Lastschwankungen wird über das Bahnstromnetz
ausgeglichen, rund ein Drittel der Gesamtleistung muß jedoch
laufend ausgeregelt werden.
Insbesondere durch den berufsbedingten Nahverkehr in den Ballungsräumen
kommt es von Montag bis Freitag am Morgen von ca. 5 bis 8 Uhr und
am Abend von ca. 16 bis 20 Uhr zu ausgeprägten Spitzenlastzeiten.
Am Samstag steigt der Stromverbrauch am Vormittag noch einmal stärker
an.
Die Abdeckung der Spitzenlast erfolgt mithilfe der bahneigenen Speicherkraftwerke.
Hierfür stehen die Kraftwerksgruppe Klostertal sowie die Kraftwerksgruppe
Stubachtal zur Verfügung.
Zur Aufbringung der Grundlast werden die bahneigenen Laufkraftwerke
herangezogen. Ein Großteil der Grundlast muß jedoch durch
Fremdbezug bereitgestellt werden. Dies übernehmen eigene Bahnstrommaschinensätze
in Fremdkraftwerken sowie bahneigene Umformerwerke.
Jene in den Kraftwerken, Umformerwerken, Unterwerken und Schalstellen
über eigene Koppelkomponenten erfaßten Prozeßdaten
werden über das betriebseigene Bahndatennetz zur Zentralen Leistelle
Innsbruck ferngemeldet. In der Lastverteilerwarte wird mithilfe dieser
Prozeßdaten der Netzzustand ermittelt.
Leistungsfähige Rechnersysteme und sehr spezielle Softwaremodule
regeln den optimalen Einsatz der Wasserkraft- und Umformerwerke nach
verschiedenen Strategien bzw. Fahrweisen unter Berücksichtigung
diverser Randbedingungen.
Ferner ermöglichen diese Softwaremodule die Überprüfung
und Bewertung der Versorgungssicherheit mithilfe von Lastflußrechnungen
und Netzanalysefunktionen, die Überprüfung der Auswirkungen
einer geplanten Schalthandlung auf den Netzzustand, das Auffinden
von Korrekturmaßnahmen bei Auftreten von Grenzwertverletzungen
sowie die Simulation möglicher Netzbelastungen und Ausfallssituationen.
In der Zentralen Leitstelle Innsbruck sind zwei durchgehend besetzte
Arbeitsplätze für den Echtzeitbetrieb vorgesehen. Darüber
hinaus stehen auch Arbeitsplätze für Simulations- und Schulungszwecke
zur Verfügung.
Neben den in den Kraftwerken, Umformerwerken, Unterwerken und Schaltstellten
erfaßten Prozeßdaten werden auch die von Partnern (z.B.
DB-Energie AG, TIWAG, VKW,
) bereitgestellten Daten nach Innsbruck
übertragen. Weiters ist für die Energiewirtschaft der Einbezug
meteorologischer Daten von Belang.
Das 110-kV-Hochspannungsnetz der ÖBB, DB und SBB sind im Verbundbetrieb
zusammengeschlossen. Dadurch wird im Bedarfsfall der rasche und problemlose
Austausch der Traktionsenergie ermöglicht (Zentrale Leistelle
Innsbruck: 3-10). Österreich, Deutschland, die Schweiz, Liechtenstein,
Norwegen und Schweden konnten sich im Jahre 1912 auf ein gemeinsames
Stromsystem für die Schiene (15 kV, 16 2/3 Hz) einigen.
Wie bereits erwähnt kommt den bahneigenen Umformerwerken bei
der Aufbringung der benötigten elektrischen Traktionsenergie
eine wesentliche Rolle zu. Die Funktionsweise eines Umformerwerkes
soll am Beispiel des Umformerwerkes Ötztal im folgenden Abschnitt
etwas näher erläutert werden.
Das Umformerwerk Ötztal wurde in den Jahren 1992 bis 1995
errichtet. Die offizielle Inbetriebnahme erfolgte im Jahre 1996. |
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| Die
Maschinenhalle des Umformerwerkes Ötztal (Foto: Michael
Laublättner) |
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In
der Maschinenhalle des Umformerwerkes sind zwei elastische Netzkupplungsumformer
untergebracht, welche eine Ausbauleistung von je 30 MW / 40 MVA aufweisen.
Ihr elektrischer und mechanischer Aufbau gestattet einen beliebigen
Energieaustausch zwischen dem 220 kV 50 Hz-Netz der Verbundgesellschaft
und dem 110 kV 16 2/3 Hz-Netz der ÖBB.
Der rotierende Teil jedes Umformersatzes besteht aus dem Drehstromasynchronmotor
(DAM), dem Einphasensynchrongenerator (ESG) und dem Wellengenerator
(WG). Alle drei Einzelmaschinen sind über eine gemeinsame Welle
mechanisch gekuppelt.
Über den Drehstromtransformator, der von der 220 kV-Sammelschiene
der Verbundgesellschaft mit Energie versorgt wird, erfolgt die Anspeisung
des Drehstromasynchronmotors mit einer Spannung von 10,5 kV. Die Regelung
der Wirkleistung geschieht mithilfe des statischen Umrichters, der
dem Drehstromasynchronmotor im Rotorkreis angeschaltet ist.
Die erzeugte Energie des Einphasensynchrongenerators, welcher eine
Maschinenspannung von 10 kV aufweist, wird über Blankschienen
dem Einphasentransformator zugeführt, der in die 110 kV 16 2/3
Hz-Freiluftschaltanlage eingebunden ist.
Der Wellengenerator dient der Versorgung des statischen Umrichters
sowie der Erregungseinrichtung des Umformersatzes mit Energie. Ferner
liefert er im Bedarfsfall die Energie für die gesamte 400 V 50
Hz-Eigenbedarfsversorgung. Über die 110 kV 16 2/3 Hz-Freiluftschaltanlage
wird die umgeformte Energie in das 110 kV Verbundnetz der ÖBB
eingespeist.
In unmittelbarer Nähe der Umformersätze befinden sich in
der Maschinenhalle die Maschinenleitstände, die das lokale Anfahren
und Stillsetzen der Umformersätze ermöglichen.
Um sicherzustellen, daß die von den Umformersätzen erzeugten
Schwingungen nicht auf das Bauwerk übertragen werden, ruht jedes
der beiden Umformersatzfundamente, die vom übrigen Bauwerk getrennt
sind, auf ca. 200 Stück Schraubenfedern. Das Gesamtgewicht eines
Umformersatzfundamentes (inkl. Umformersatz) beläuft sich auf
ca. 2350 t.
Die für den Betrieb der Umformersätze erforderliche Kühl-
bzw. Frischluft wird über zwei den Umformersätzen zugeordnete
Luftbrunnen von den Maschinen angesaugt und gelangt in die Luftwäscher,
wo diese gereinigt, aufbereitet und anschließend geregelt den
einzelnen Maschinen getrennt zugeführt wird. Die erwärmte
Luft wird über Abluftöffnungen ins Freie abgegeben oder
kann für Heizzwecke des Umformerwerkes sowie der Gemeinde Haiming
herangezogen werden.
Um zu verhindern, daß es bei der Betriebsführung zu keiner
Lärmbeeinträchtigung durch das Umformerwerk Ötztal
kommt, welches sich am Rande des Erholungsgebietes der Gemeinde Haiming
befindet, wurden die Transformatoren und alle Zu- und Abluftbereiche
mit Schalldämpfern versehen sowie weitere lärmreduzierende
Maßnahmen getroffen, die unter anderem die Verhaubung der Umformersätze
vorsehen.
Das Umformerwerk Ötztal wird grundsätzlich unbesetzt betrieben.
Die Fernsteuerung der beiden Umformersätze sowie der 110 kV 16
2/3 Hz-Freiluftschaltanlage obliegt der Zentralen Leitstelle in Innsbruck. |
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| Die
Warte des Umformerwerkes Ötztal (Foto: Michael Laublättner) |
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Die
Warte des Umformerwerkes Ötztal befindet sich in dem an die Maschinenhalle
angrenzenden Schalthaus. Diese ist mit zwei Bildschirmarbeitsplätzen
ausgestattet. Somit besteht im Bedarfsfall die Möglichkeit der
örtlichen Steuerung sämtlicher Anlagen des Umformerwerkes.
Darüber hinaus steht in der Warte eine Mosaikschalttafel als
Notsteuerebene für die 110 kV 16 2/3 Hz-Freiluftschaltanlage
zur Verfügung.
Ferner ist im Schalthaus eine 15 kV 16 2/3 Hz-Unterwerkschaltanlage
untergebracht, die von der 110 kV 16 2/3 Hz- Freiluftschaltanlage
gespeist wird. Sie dient der Versorgung der Bahnstrecke mit Traktionsenergie.
Für die Fernsteuerung der Unterwerkschaltanlage zeichnet die
Regionale Leistelle West in Zirl verantwortlich (Umformerwerk Ötztal:
2-7).
Neben dem Unterwerk Ötztal bedarf es jedoch weiterer Unterwerke,
um die Versorgung der Arlbergbahn mit elektrischer Traktionsenergie
sicherzustellen. Auch diese beziehen die benötigte elektrische
Energie aus dem 110 kV 16 2/3 Hz-Verbundnetz der ÖBB.
In den Unterwerken erfolgt die Transformierung der Übertragungsspannung
von 110 kV auf die Fahrleitungsspannung von 15 kV. Jedes der Unterwerke
speist einen bestimmten Bereich. Begrenzt werden diese Speisebereiche
durch den Einbau von Schutzstrecken, die in der Regel eine Länge
von ca. 100 m aufweisen und spannungslos sind.
Die Schutzstrecken sind durch Signale gekennzeichnet und dürfen
von elektrischen Triebfahrzeugen nur mit ausgeschaltetem Hauptschalter
befahren werden. |
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| Das
stillgelegte Unterwerk Zirl (Foto: Michael Laublättner) |
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Mit
der Aufnahme des elektrischen Fahrbetriebs auf der Arlbergbahn im
Jahre 1925 erfolgte die Inbetriebnahme der Unterwerke Zirl, Roppen,
Flirsch und Danöfen (heutige Bezeichnung: Wald am Arlberg).
Die Unterwerkschaltanlage des Unterwerkes Danöfen wurde im Schalthaus
des Kraftwerkes Spullersee, jene der Unterwerke Zirl, Roppen und Flirsch
in eigens unmittelbar an der Bahnstrecke errichteten Gebäudestationen
untergebracht.
Darüber hinaus kamen auf der Arlbergbahn im Verlaufe der Jahrzehnte
fahrbare Unterwerke zum Einsatz, die der Unterstützung der stationären
Unterwerke dienten. Fünf dieser ursprünglich von der Deutschen
Reichsbahn gebauten fahrbaren Unterwerke verblieben nach Kriegsende
bei den ÖBB.
Unter anderem war auf der Arlbergbahn-Ostrampe in der Nähe von
Pettneu eine dieser Anlagen stationiert. Diese mußte allerdings
nach einem Brand im Jahre 1986 durch eine neu beschaffte fahrbare
Unterwerksanlage ersetzt werden (Beer: 187-189).
Gegenwärtig stehen auf der Arlbergbahn die stationären Unterwerke
Zirl, Ötztal, Landeck, Pettneu und Wald am Arlberg zur Verfügung.
Die Fernsteuerung dieser Unterwerkschaltanlagen obliegt der Regionalen
Leistelle West in Zirl.

Beer,
Lothar. Die Geschichte der Bahnen in Vorarlberg. 2. Bd. Hard:
Hecht, 1995.
Österreichische Bundesbahnen. Umformerwerk Ötztal.
Wien: Österreichische Bundesbahnen, 1996. 2-7.
Österreichische Bundesbahnen. Zentrale Leistelle Innsbruck.
Wien: Österreichische Bundesbahnen, 1998. 3-10.

(Autor: Michael Laublättner)
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