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| REDAKTION |
Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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| ©
2008 by Michael Laublättner |
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| Der
Klima-Schneepflug Bauart Bludenz mit der Bezeichnung 80819760-311-7
ist ein von der Zugförderungsleitung Bludenz umgebauter Knittelfelder
Pflug. Diese Aufnahme entstand im Bahnhof Wald am Arlberg. Schiebedienst
leistet die 1110.526-9, welche bis zu ihrer Außerbetriebnahme
im Jahre 2003 insbesondere für Schneeräumfahrten auf der
Arlbergbahn-Westrampe herangezogen wurde (Foto: Michael Laublättner). |
Die
Schneeräumung auf der Arlbergbahn (Teil 1)
In dieser Rubrik sollen die Erschwernisse, die der Winterbetrieb auf
der Arlbergbahn mit sich bringt, näher erläutert werden.
Den Schwerpunkt bildet hierbei das Auftreten von großen Schneemengen,
hauptsächlich in Form von Lawinen.
Aus diesem Grund seien zu Beginn ein paar grundsätzliche Informationen
gegeben, die das "Naturereignis Lawine" näher charakterisieren
sollen und deren verschiedene Erscheinungsformen aufzeigen.
Anschließend werden die Maßnahmen zum Schutz von
Mensch und Bahnstrecke vor großen Schneemengen erläutert,
wobei ein Schwerpunkt auf bekannte Schutzbauten gelegt wird, die entlang
der Arlbergstrecke besondere Berücksichtigung finden.
Diesem Teil schließt sich eine Aufstellung der Schneeräumfahrzeuge an, die Maschinen wie die Henschel-Dampfschneeschleuder oder den Klima-Schneepflug
Bauart Bludenz vorstellen wird. Auch hier werden wiederum nur für
den Verkehr auf der Arlbergbahn bedeutsame Fahrzeuge berücksichtigt.
Den Abschluss soll die Schilderung von einigen Ereignissen mit teilweise katastrophalem Ausmaß bilden, die verdeutlichen,
warum die Arlbergbahn häufig als "schwierigste Gebirgsbahn
Europas" bezeichnet wird. |
Natürliche
Schneeablagerungen
Zu den natürlichen Schneeablagerungen zählt man: |
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Neuschneelagen |
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Schneeverwehungen |
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Schneerutsche |
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Lawinen |
Große Neuschneemengen bringen für den Straßenverkehr zumeist
starke Behinderungen mit sich. Während auf der Straße schon
wenige Zentimeter Neuschnee zu einer mehr oder weniger umfangreichen
Einschränkung des Verkehrs führen, wird das Verkehrssystem
Bahn erst von Neuschneemengen über 25 Zentimeter bedeutend behindert.
Eine Ausnahme bilden hier lediglich die Weichenbereiche, die, um einen
reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, von Schnee und Eis freigehalten
werden müssen.
Schneeverwehungen sind "Ansammlungen von Schnee, die durch
den Wind an dafür geeigneten Stellen zusammengetrieben werden"
(Dultinger, S. 45).
Aus Schneeverwehungen entstandene Ablagerungen sind vor allem in Senken
und Bodenvertiefungen vorzufinden, in denen sich der Schnee-transportierende
Wind ausdehnen kann (größerer Durchflussquerschnitt).
Nach den kurzen Erklärungen der Begriffe "Neuschneelagen"
und "Schneeverwehungen" wird nun ausführlicher auf
die Begriffe "Schneerutsch" und "Lawine" eingegangen.
Als Schneerutsch bezeichnet man an einem Hang in Bewegung kommenden
Schnee, der bedingt durch fehlende Haftkraft auf der Unterlage und
durch sein Eigengewicht, zum Abrutschen kommt. Begünstigt ist
die Bildung von Schneerutschen an Hängen mit fehlender Vegetation
(nicht bepflanzte Geländeabschnitte, ohne Sträucher o. ä.).
Aber auch hohes, vor dem Winter nicht gemähtes Gras, bildet eine
rutschige Unterlage, auf der der Schnee schlecht haftet.
Von einem Schneerutsch spricht man, wenn die vorhandene Gleitbahn
40-50 m lang ist und die Schneemenge nicht über 2000 Kubikmeter
liegt.
Ein Schneerutsch, der in seinem Ausmaß diese Zahlenwerte überschreitet,
wird als Lawine bezeichnet.
Lawinen haben für den Bahnverkehr zwei bedeutende Eigenschaften:
Sie versperren die Bahnanlagen bzw. die Bahntrasse und wirken zudem
zerstörend. Während sich also bei Schneerutschen die Beeinträchtigungen
noch eher in Grenzen halten können, sind nach Lawinenabgängen
größere Schäden zu befürchten.
Die äußeren Faktoren, die zum Abgang einer Lawine führen,
sind vielschichtig. Eine Rolle spielt u. a. das Wetter, welches durch
einsetzenden Föhn oder starke Winde die Lawinenbildung begünstigt.
Ebenso spielt der Zusammenhalt der einzelnen übereinanderliegenden
Schneeschichten eine Rolle und trägt maßgeblich dazu bei,
wie leicht obere Schichten auf den darunter liegenden abgleiten können.
Zu berücksichtigende Faktoren sind zudem die Hangexposition (Sonnen-
oder Schattenseite) und die Hangneigung: So sind Hänge mit Neigungen
von ca. 20-50% lawinengefährdet. Eine geringere Neigung als 20%
reicht nicht aus, um Schnee in größerem Maße zum
gleiten zu bringen, bei Neigungen von über 50% bilden sich i.
d. R. keine große Lawinen verursachenden Schneemassen. |
| Man
unterscheidet die folgenden Hauptarten von Lawinen: |
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Trockene Lockerschneelawinen |
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Nasse Lockerschneelawinen |
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Trockene Schneebrettlawinen |
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Nasse Schneebrettlawinen |
Der
Unterschied zwischen Lockerschneelawinen und Schneebrettlawinen ist
in deren unterschiedlichen Anbruchgebieten zu erkennen: Bei ersteren
gibt es einen fast punktartigen Abbruch der oberen Schneedecke(n),
bei einem Schneebrett ist der Abbruchrand viel breiter und größer.
Auch die Konsistenz der Schneemassen ist für die Lawinenart maßgeblich:
Lockerer Schnee bricht nur an kleinen Stellen. In Bewegung geratene
Schneeteile nehmen beim Abrutschen andere ebenfalls locker liegende
Schneemassen mit.
Die Schneebrettlawine (besteht aus "festem" Schnee) ist
im Gegensatz dazu gekennzeichnet von einem breiten "flächenhaften"
Abbruchrand, bei dem die Grenze zu den liegengebliebenen Schneeschichten
deutlich erkennbar ist. |
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(Zeichnungen:
Benedikt Rödel) |
Des
weiteren werden zur Unterscheidung noch einige Bezeichnungen verwendet.
Unter Berücksichtigung der Lage der Gleitfläche unterscheidet
man zwischen Ober- und Bodenlawinen sowie entsprechend ihrer Bewegungsform
zwischen Staub- und Fließlawinen.
Bei sog. Oberlawinen sind von der mehrschichtigen Schneedecke nur
einige obere Schichten beteiligt, bei Bodenlawinen (Grundlawinen)
geraten alle Schichten bis zum Boden in Bewegung.
Staublawinen sind Lawinen, die als "Schneewolke" mit geringem
Bodenkontakt und gleichzeitig hoher Geschwindigkeit und Luftdruckentwicklung
talwärts rasen und dabei eine besonders zerstörerische Kraft
besitzen (siehe Unglück von Dalaas 1954).
Fließlawinen verlieren im Gegensatz dazu nicht die Haftung zum
Untergrund.
In der Realität treten zumeist Mischformen der oben genannten
Lawinentypen auf.
Maßnahmen zum Schutz gegen Schneeablagerungen
Der wirksamste Schutz gegen natürliche Schneeablagerungen beginnt
schon während der Bauphase einer im Hochgebirge gelegenen Eisenbahnstrecke,
wie die Arlbergbahn. Unter Berücksichtigung entscheidender Faktoren
- wie zum Beispiel die Lage der wichtigsten Lawinenbahnen oder die
Topographie der Bahnstrecke - schon während der Planungsphase
lässt sich die Betriebssicherheit einer jeden Eisenbahnverbindung
bereits von Anfang an deutlich erhöhen.
Gleichzeitig braucht man jedoch nicht zu erwähnen, dass ein absoluter
Schutz vor Naturereignissen niemals gewährleistet ist, selbst
die technisch anspruchvollsten Sicherheitsmaßnahmen senken nur
das Risiko, das niemals ganz ausgeschlossen werden kann. Von den allgemein
gebräuchlichen Schutzmaßnahmen werden im nachfolgenden
Textteil einige vorgestellt und näher erläutert.
Eine alpine Eisenbahntransversale wie die Arlbergbahn, deren Strecke
in Bereich von teilweise über 1200 m ü. N. N. führt,
ist klimatisch bedingt in den Wintermonaten von Schneerutschen, Lawinen
und Verwehungen gefährdet.
Als Schutz gegen Schneeverwehungen setzt man in den betroffenen
Regionen auf Maßnahmen wie Schutzpflanzungen und Schneezäune.
Hecken oder ähnliche Pflanzen sind in der Lage, Schneeverwehungen
an gewünschten Stellen abzufangen und verhindern, dass die abgelagerten
Schneemassen auf der Trasse den Bahnverkehr beeinträchtigen.
Hierzu pflanzt man die Hecken gestaffelt, meist zwei oder drei Hecken
mit Abstand hintereinander. Bei der Anpflanzung handelt es sich um
einen einmaligen Arbeitsaufwand, auch in Sachen Pflege sind die Hecken
wenig arbeitsintensiv.
Als weiterer Schutz gegen Verwehungen werden außerdem Schneeschutzzäune
verwendet. Diese bestehen aus Zaunpfählen, zwischen die je nach
Bauart ein Metalldrahtgeflecht, Kokosgewebe oder Trevira gespannt
ist. Die 1,30 bis 1,80 m hohen Zäune haben unterschiedlich dichte
Zaunflächen, wobei mit zunehmender Dichte des Zaungeflechts die
Menge des abgelagerten Schnees vor dem Zaun zunimmt. Um die volle
Wirkung der Zäune auszuschöpfen, stehen diese senkrecht
zur Hauptwindrichtung, bei Bedarf auch in mehreren Reihen hintereinander.
Gegen Schneerutsche bieten auf natürlichem Weg Schutzpflanzungen
(z. B. der sogenannte Bannwald) eine gewisse Sicherheit. Wie bereits
erwähnt, neigen auf vegetationsarmen Hängen abgelagerte
Schneemassen verstärkt zum Abrutschen.
Neben allgemein verbreiteten Maßnahmen wie Auffangräume,
Schutzwände und Schneebrücke haben sich auf der Westrampe
der Arlbergbahn zwei Sonderkonstruktionen besonders bewährt:
Der sogenannte Arlberg-Drahtseilschneezaun (siehe Abbildung) und der
Arlberg-Schneerechen. Der Arlberg-Schneerechen ist aus Rundholzpfeilern
aufgebaut, die zwischen Seilen aus Stahl eingespannt sind. Getragen
wird dies durch eine Stahlkonstruktion aus Altschienen. Falls einmal
ein Seil aufgrund des hohen Schneedrucks zu sehr nachgegeben hat,
kann es einzeln wieder angezogen oder ausgewechselt werden.
Um eine gute Funktionsfähigkeit zu erreichen, sollte die Höhe
des Schneerechens ungefähr der maximalen Schneehöhe entsprechen.
Diese Konstruktion hat sich bewährt als Schutz gegen Schneerutsche
und Lawinenabgänge in Lawinengebieten (Anbruchbereiche).
Nun zum Aufbau des Arlberg-Drahtseilschneezaunes. Dieser besteht
aus zwischen Holzstützen oder Altschienen (jeweils als Endstützen)
gespannten Längsseilen. Im Abstand von 3 Metern befinden sich
sogenannte Zwischensteher, die eine Abspannung des Zaunes berg- und
talwärts ermöglichen. Die einzelnen Felder werden außerdem
durch quergespannte Drahtseile gestützt. An der Bergseite des
Zaunes ist ferner noch ein verchromtes Drahtnetz befestigt, das die
Schneedecke am Abrutschen hindert.
Auch hier gilt wieder: Die Höhe des Zaunes sollte der ungefähren
Maximalschneehöhe entsprechen. Wilhelm Purtscher, bis zu seinem
Tod als Lehnenbahnmeister der Arlberg-Westrampe tätig, ist die
Erfindung des Arlberg-Drahtseilschneezaunes zuzuschreiben. Beim Lawinenunglück
im Jahre 1954 befand er sich unter den Opfern im Bahnhof Dalaas, die
von der abgehenden Muttentobellawine verschüttet wurden. |
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(Zeichnung:
Benedikt Rödel) |
Neben
dem Schutz vor Schneerutschen können Arlberg-Schneerechen und
Arlberg-Drahtseilschneezaun auch in Anbruchgebieten von Lawinen wirksam
eingesetzt werden. Dort finden sie neben anderen Stützverbauungen
wie Rundholzwänden oder Schneebrücken Anwendung.
Aber auch Steinmauern bieten oberhalb der Baumgrenze einen
wirkungsvollen Schutz. Mit einer Höhe etwas über der Maximalschneehöhe
halten sie den Schnee zurück und werden in Abständen von
10 bis 15 m meist zusammen mit Schneerechen und Verpfählungen
gebaut.
Allerdings kann aufgrund der hohen Schneemenge an manchen Orten die
Mauerhöhe nicht ausreichen. Bei der Lösung dieses Problems
wendet man "Ziegel" aus Schnee an und stockt damit das Mauerwerk
auf. Dies ist sowohl in baulicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht
eine sinnvollere Methode, wie eine von Anfang an eingerichtete größere
Mauerhöhe. Auch dieses Vorgehen ist am Arlberg weit verbreitet,
wie folgendes typisches Beispiel zeigt.
Das Blasegg-Gebiet (rund 2000 m Höhe) liegt oberhalb des
Bahnhofes Langen a/A. Die Längentobellawine, die Benediktertobellawine
sowie die Simastobellawine stellen eine Gefahr für den Bahnverkehr
dar. Durch den Bau einer Galerie (Simastobeltunnel) wurde die für
die Arlbergbahn entstehende Gefahr beim Abgang der Simastobellawine
gemindert.
Allerdings konnte zum Schutz vor den anderen beiden Lawinenbahnen
nicht auf eine Überdachung der Strecke zurückgegriffen werden,
da sich das ganze Bahnhofsgelände im Einzugsgebiet dieser beiden
Lawinen befindet. Aus diesem Grund blieb nur eine großräumige
Verbauung an den Abbruchgebieten übrig, welche aber durch die
extremen Neuschneehöhen von bis zu 13 m zusätzlich erschwert
wird.
Die Steinmauern werden folglich mit Schneeziegeln, deren Bau
in jedem Winter mehrmals wiederholt werden muss, aufgestockt. Die
Arbeiten werden während einer Schönwetterperiode durchgeführt,
wobei die Lehnenarbeiter anfänglich zu Fuß zum Arbeitsort
gelangen mussten. Erst der Bau einer Lastenseilbahn und die Errichtung
von kleinen Hütten zur Übernachtung ersparten den täglichen
Auf- und Abstieg.
Heute befindet sich im Blasegg-Gebiet noch zusätzlich eine ÖBB-Messstation
zur Erfassung von Schneehöhe, Niederschlagsmenge, Luftfeuchte
und Lufttemperatur (in 1850 m ü. N. N.) sowie Windgeschwindigkeit
(in 1990 m ü. N. N.).
Nicht alle Stellen, an denen die Arlbergstrecke von Lawinen bedroht
ist, können nur durch Verbauungen in den entsprechenden Anbruchgebieten
gesichert werden. In vielen Fällen sind auch weitergehende Verbauungen
wie Tunnel oder Lawinenschutzdächer notwendig. Die Bauart
der Lawinenschutzdächer änderte sich mit der Zeit und passte
sich den Gegebenheiten und dem technischen Fortschritt an. Auf den
folgenden Abbildungen sind verschiedene Schutzdächer zu sehen: |
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(Zeichnungen:
Benedikt Rödel) |
Lawinenschutzdächer
sind von der Neigung ihrer Dachbauten her dem abfallendem Gelände
angepasst, so dass niedergehende Schneemassen über die geschützte
Bahntrasse hinweggeleitet werden. Dabei sind nicht nur die großen
von den Lawinen ausgeübten Kräfte eine besondere Erschwernis
bei Planung und Bau, sondern auch das von den Schneemengen mitgerissene
Gesteinsmaterial.
Eine Staublawine kann beispielsweise bei einer Geschwindigkeit von
80 Metern pro Sekunde einen Lawinendruck von 19,20 Tonnen pro Quadratmeter
auf ein Schutzdach ausüben (nach Dultinger, S. 81).

Dultinger,
Josef. Eisenbahn-Winterdienst: Ein Fachbuch für Studium und
Praxis. Rum: Dr. Erhard, 1982.

(Autor: Benedikt Rödel)
Die Schneeräumung
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