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Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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2008 by Michael Laublättner |
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| Unmittelbar
nach der Inbetriebnahme des Blisadonatunnels am 07. September 2003
wurde mit den Abtragungsarbeiten im Streckenabschnitt Langen am Arlberg
- Klösterle begonnen. Hiervon betroffen waren unter anderem der
Simas- und Großtobeltunnel, sowie der Wäldlitobelviadukt.
Diese Aufnahme entstand zwischen Langen am Arlberg und Wald am Arlberg
im km 112,2 und zeigt das Großtobeltunnel-Westportal. Der bergwärts
fahrende Güterzug wird von einer Lokomotive der Baureihe 1016
gezogen. Den Zugschluß bildet die 1044.093-1 (Foto: Michael
Laublättner). |
Der
Tunnelbau auf der Arlbergbahn
Auf den beiden Rampenstrecken der Arlbergbahn sind bis 1893 zehn eingleisige
Tunnel mit einer Gesamtlänge von 1672,45 m zur Ausführung
gelangt, deren Bau im Wesentlichen keine nennenswerten Schwierigkeiten
bereiteten. Das Tunnelmauerwerk sämtlicher Tunnel der beiden
Rampenstrecken wurde als unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk
ausgeführt.
Die Tunnel wurden mit Ausnahme der östlichen Hälfte des
94 m langen Schmidtobeltunnels im km 122,9 und des 92 m langen Pfaffentobeltunnels
im km 126,9 mit vorauseilendem Sohlenstollen betrieben. Der Ausbruch
der beiden letztgenannten Tunnel bzw. Tunnelteile erfolgte ohne Sohlenstollen
vom Tunnelfirste ausgehend.
Anhand des im Jahre 1893 fertiggestellten Großtobeltunnels soll
gezeigt werden, wie der Tunnelbau auf den beiden Rampenstrecken der
Arlbergbahn von statten ging (Denkschrift aus Anlass des zehnjährigen
Betriebes: 35-36).
Am 09.07.1892 kam es im Gebiet des Großtobels zu einem verheerenden
Bergsturz, welcher die Bahn in einer Längenausdehnung von 240
m verschüttete und vollständig zerstörte. Infolgedessen
sah sich die Bahnleitung aus Sicherheitsgründen veranlasst, die
neue Strecke zum Schutz gegen weitere Bergstürze und Lawinen,
welche in diesem Gebiet stets zu fürchten sind, unterirdisch
im Steilhang und Murenschutt des Großtobels auszuführen.
Der neue Großtobeltunnel sollte über eine Länge von
446 m verfügen, an dessen beiden Tunnelenden sich auf der Ostseite
ein 10 m, auf der Westseite ein 49,1 m langer überwölbter
Einschnitt anschließt. Mit den Vorarbeiten wurde am 01.12.1892
begonnen, sodaß bereits am 10.12.1892 der erste Einbau aus Holz
aufgestellt werden konnte.
Die Ausführung des Tunnels erfolgte eingleisig nach der englischen
Tunnelbaumethode, welche vorerst den Vortrieb eines Sohlenstollens
vorsieht. Diese Sohlenstollen wurden von beiden Seiten schnellstmöglich
vorangetrieben, um den Ausbruch des gesamten Profils in Angriff nehmen
zu können.
Aufgrund der mitunter ungünstigen Beschaffenheit des Gebirges
konnte seitens der Bauleitung stellenweise von einer sehr starken
Auszimmerung des Sohlenstollens nicht abgesehen werden, um drohenden
Verbrüchen wirksam zu entgegnen. Am 07.05.1893 erfolgte schließlich
der Durchschlag. Der 505,10 m lange Sohlenstollen konnte innerhalb
von 146 Tagen fertig gestellt werden. Hieraus ergibt sich ein durchschnittlicher
täglicher Stollenfortschritt von 3,46 m.
Anfang Jänner 1893 wurde "über Tag" auf beiden
Seiten mit dem Vortrieb des Firststollens begonnen. Um den Fortschritt
dieser Arbeit zu beschleunigen, wurden vom Sohlenstollen ausgehend
vier weitere Aufbruchsschächte in den First des Profils angelegt,
und von diesen aus beiderseits den Firststollen betrieben. Am 28.06.1893
erfolgte im Firststollen der fünfte und letzte Durchschlag.
Hiernach wurde der Tunnel ausschließlich der angrenzenden überwölbten
Einschnitte in 70 Ringe, welche jeweils eine Länge von 6,40 m
aufwiesen, unterteilt und am 05.04.1893 der Ausbruch des ersten Ringes
in Angriff genommen. Der letzte dieser Ringe war am 12.10.1893 vollständig
ausgebrochen, somit beanspruchte der gesamte Vollausbruch einen Zeitraum
von 191 Tagen.
Der Großtobeltunnel ist in seiner gesamten Länge vollständig
ausgemauert. Ferner konnte in vielen Bereichen von der Ausführung
von Sohlengewölben nicht abgesehen werden. Am 27.04.1893 konnte
die Aufmauerung des ersten, fertig ausgebrochenen Ringes in Angriff
genommen werden, am 23.10.1893 wurde schlussendlich der letzte Ring
geschlossen. Somit beanspruchte die Aufmauerung sämtlicher 70
Ringe einen Zeitraum von 180 Tagen.
An jenen Stellen, an denen aufgrund der ungünstigen Beschaffenheit
des Gebirges starker Druck vorherrschte und infolge des enormen Gebirgsdrucks
die Einbauhölzer bedeutend in das Mauerungsprofil hineinragten,
mussten oftmals Ausbrüche von bis zu 0,30 m nachträglich
vorgenommen werden, was den Fortschritt der Mauerungsarbeiten stets
nachhaltig beeinträchtigte.
Nach erfolgter Ausschalung eines Ringes, welche drei Wochen nach der
Fertigstellung des Gewölbes in Angriff genommen wurde, konnte
mit dem Aushub sowie der Mauerung des Sohlengewölbes begonnen
werden. Hiernach erfolgte als letzter Arbeitsschritt die Aufmauerung
des Sohlenkanals sowie die Herstellung einer Betondecke über
dem Sohlengewölbe. Nach Beendigung der soeben geschilderten Arbeiten
konnte in weiterer Folge mit der Herstellung des Schotterbetts sowie
mit der Verlegung des Oberbaues begonnen werden.
Rückblickend wurden 189,31 m mit Sohlengewölbe und einer
Ringstärke im Scheitel von 0,65 m, 403 m ohne Sohlengewölbe
mit einer Scheitelstärke von 0,75 m, 252,54 m mit Sohlengewölbe
und einer Ringstärke im Scheitel von 0,75 m und 59,22 m als überwölbter
Einschnitt mit einer Gewölbestärke von 0,70 m ausgeführt.
Am 07.11.1893 wurde nach Abschluß sämtlicher Tunnelarbeiten
der Fahrbetrieb im neuen Großtobeltunnel aufgenommen, welcher
zum damaligen Zeitpunkt der zweitlängste Tunnel der Arlbergbahn
war. Der Bau des Großtobeltunnels beanspruchte einen Zeitraum
von insgesamt 330 Tagen, eine im Tunnelbau früher nicht erreichte
Höchstleistung, welche in Anbetracht der zu bewältigenden
Schwierigkeiten, die insbesondere auf die ungünstige Beschaffenheit
des Gebirges, welches zu einem großen Teil aus druckreichen
Muren bestand, zurückzuführen sind, und somit umso bemerkenswerter
erscheint (ibidem: 102-105).
Im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Arlbergbahn im Streckenabschnitt
Langen a/A - Klösterle wird seit der Inbetriebnahme des neuen
Blisadonatunnels am 07.09.2003 der Großtobeltunnel umfahren.

k.
k. Staatsbahndirection Innsbruck, Hg. Die Arlbergbahn: Denkschrift
aus Anlass des zehnjährigen Betriebes 1884-1894. Innsbruck: k.
k. Staatsbahndirection Innsbruck, 1896.

(Autor: Michael Laublättner)
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