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Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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2008 by Michael Laublättner |
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| Das
Kraftwerk Fulpmes (Foto: Michael Laublättner) |
Das
Ruetzkraftwerk Fulpmes
Das Kraftwerk Fulpmes wurde in den Jahren 1977 bis 1983 erbaut und
ersetzte das überaltete in den Jahren 1909 bis 1912 errichtete
Kraftwerk Schönberg.
Diente das Kraftwerk Schönberg vorerst der Versorgung der Mittenwaldbahn
mit elektrischer Energie, war das Kraftwerk Fulpmes zum Zeitpunkt
der Inbetriebnahme im Jahre 1983 bereits in das Verbundnetz der österreichischen
Bundesbahnen eingebunden.
Als Ausbauform wurde die für Österreich eher ungewöhnliche
sogenannte "schwedische Bauweise" gewählt, somit erfolgt
der Kraftabstieg über einen lotrecht verlaufenden Schacht, an
dessen Ende sich die Kraftwerkskaverne befindet, in der zwei Maschinensätze
untergebracht sind.
Das abgearbeitete Wasser fließt von dort in einem 5,2 km langen
Unterwasserfreispiegelstollen bis Unterberg bei Schönberg, wo
es linksufrig der Ruetz oder durch einen Düker direkt der rechtsufrig
angeordneten Oberwasseranlage des Sillzwischenkraftwerkes der Innsbrucker
Kommunalbetriebe zugeführt wird.
Dadurch konnte im Bereich der Telfeser Wiesen von der Herstellung
von Zufahrten, Deponien und Fensterstollen abgesehen werden. Darüber
hinaus wäre bei einer konventionellen Anlagenanordnung die Durchörterung
der an den Talflanken anstehenden Lockermassen mit erheblichen Schwierigkeiten
verbunden gewesen.
Im Zuge des Kraftwerksbaus mußten zwei Baubetriebsstellen eingerichtet
werden. Von Unterberg aus wurde der Ausbruch aller in Fels liegenden
Hohlraumbauten sowie deren Auskleidung in Angriff genommen. Von Fulpmes
aus erfolgte der Bau der Einlaufanlagen, des Kran- und Schalthauses,
der Freiluftschaltanlage sowie der oberen Schachthälfte.
Bei geologischen Untersuchungen wurde bis in eine Tiefe von 100 m
vorwiegend lockeres Gestein angetroffen, weshalb die Herstellung des
Schachtes in diesem Bereich mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden
gewesen wäre.
Aus diesem Grund sah sich die Bauleitung veranlaßt, auf eine
für den Kraftwerksbau in Österreich ebenso eher ungewöhnliche
Methode, der Gefriermethode, zurückzugreifen. Das Prinzip dieser
Methode bestand darin, das wasserhältige Lockergestein in der
Umgebung des geplanten Schachtes durch Vereisung zu verfestigen, sodaß
das Abteufen des Schachtes wie in standfestem Gebirge erfolgen konnte.
Hierzu mußten in einem Kreis von 11,5 m Durchmesser um die Schachtachse
28 ca. 100 m in die Tiefe reichende verrohrte Bohrungen ausgeführt
werden, in denen eine auf -28° C bis -35° C abgekühlte
Kalziumchlorid-Lösung zirkulierte und innerhalb von drei Monaten
einen mindestens 2,5 m dicken Frostkörper bildete, der sich mit
der Zeit bis zur Schachtachse schloß. |
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Das Prinzip der Gefriermethode bestand darin, das wasserhältige
Lockergestein in der Umgebung des geplanten Schachtes durch Vereisung
zu verfestigen, sodaß das Abteufen des Schachtes wie in standfestem
Gebirge erfolgen konnte (Skizze: Michael Laublättner). |
Nach
Beendigung der Ausbruchsarbeiten sowie der Herstellung des Außenringes
im Gefrierschacht konnte die Ausführung des Innenringes in Angriff
genommen werden, der sich auf ein Fundament abstützt, welches
ca. 10 m in den Fels eingelassen ist.
Erst nach der Fertigstellung des Innenringes wurde die Gefrieranlage
abgeschaltet. Das Auftauen des Frostkörpers auf eine Gebirgstemperatur
von 0° C beanspruchte einen Zeitraum von rund sechs Monaten. Die
natürliche Gebirgstemperatur von +8° C wurde allerdings erst
nach mehr als 1½ Jahren erreicht.
Während der Ausführung des Außen- und Innenringes
im Gefrierschacht war der verarbeitete Beton sehr tiefen Temperaturen
(ca. -25° C) ausgesetzt. Um das Überleben des eingebrachten
Betons zu gewährleisten, mußte dieser vor der Durchfrostung
eine Festigkeit von mindestens 35-50 kp/cm² aufweisen.
Aus diesem Grund wurde der Beton vor seiner Einbringung auf eine Temperatur
von +25° C erwärmt. Ein hoher Zementanteil sowie verschiedene
Betonzusätze sorgten für eine zusätzliche Wärmeentwicklung
(Abbindewärme), die durch die Wahl nicht zu kleiner Auskleidungsdicken
(25 cm für den Außenring, 40 cm für den Innenring)
begünstigt wurde. Darüber hinaus erfolgte die Temperierung
des unmittelbaren Einbaubereiches.
In der dem Beton vor der Durchfrostung zur Verfügung stehenden
Abbinde- und Erhärtungszeit wurden Festigkeiten von über
100 kp/cm² erreicht.
Im weiteren Verlaufe der Arbeiten wurde vom Unterwasserstollen her
ein Sondierungsstollen bis in den Bereich des Schachtfußes vorgetrieben.
Währenddessen erfolgte das Abteufen einer Pilotbohrung von der
vorläufigen Schachtsohle aus, die von unten mithilfe einer Tamrock-Bohrfräse
vergrößert wurde, sodaß schließlich von oben
nach unten der Vollausbruch des Schachtes in Angriff genommen werden
konnte.
Die Herstellung des Schachtinnenringes, der sich in seiner Länge
auf drei Keilringen abstützt, erfolgte auch hier von unten nach
oben. Da sich die untere Hälfte des Zugangs- und Transportschachts,
die Kraftwerkskaverne sowie ein Teil des Unterwasserstollens in festem
Gestein befinden, war deren Herstellung mit keinen nennenswerten Schwierigkeiten
verbunden.
Aus diesem Grund konnte in der unteren Hälfte des Schachts auch
von der Ausführung eines Außenringes abgesehen werden.
Allerdings erwiesen sich die Ausbruchsarbeiten im Unterwasserstollen
in den übrigen Bereichen infolge der schlechten Beschaffenheit
des Gebirges als äußerst problematisch.
Entsprechend diesen Verhältnissen konnte in zahlreichen Abschnitten
von der Herstellung einer geschalten Betonauskleidung (nahezu die
halbe Stollenlänge) nicht abgesehen werden, in den übrigen
Bereichen erwiesen sich Spritzbetonverkleidungen als ausreichend (Ruetzkraftwerk
Fulpmes: 8-17).
Über die Bachfassung gelangt das Wasser der Ruetz in die Entsanderbecken.
Grob- und Feinrechen sorgen dafür, daß antransportiertes
Treibholz rechtzeitig abgefangen wird. In den beiden Entsanderbecken
werden zudem kleinste Sandpartikel, wie sie insbesondere in Gletscherwasser
vorzufinden sind, zu einem Großteil entfernt, da diese Jahr
für Jahr Schäden an den Francisturbinen verursachen.
Durch das Aufbringen einer Wolframcarbidbeschichtung auf die Francisturbinen
konnte jedoch die Standzeit von vorerst einem Jahr auf fünf Jahre
angehoben werden. Zusätzlich konnte durch diese Maßnahme
die Jahresarbeitsleistung von anfangs 74 GWh auf 90 GWh gesteigert
werden. |
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Die
Schachteinbauten setzen sich aus der Druckrohleitung, einem Personenlift,
einer Schachtstiege, einem Transportschacht, sowie Kabel-, Versorgungs-,
Zu- und Abluftkanälen zusammen (Skizze: Michael Laublättner). |
Über
die beiden Einlaufbehälterkammern, welche über eine Hochwasserentlastung
verfügen, wird das Wasser der Druckrohrleitung zugeführt,
die einen Durchmesser von 1,80 m aufweist (Baldauf, 28.06.2004).
Die Schachteinbauten setzen sich aus der Druckrohleitung, einem Personenlift,
einer Schachtstiege, einem Transportschacht, sowie Kabel-, Versorgungs-,
Zu- und Abluftkanälen zusammen (Ruetzkraftwerk Fulpmes: 15).
Ferner ist im Kranhaus eine 50-t-Tiefschachtwinde untergebracht, mit
deren Hilfe sich Schwerteile durch den Transportschacht absenken lassen.
Der Absenkvorgang kann auch vom Schachtfuß aus gesteuert werden.
Von hier aus gelangen die Schwerteile über kleine Schienenfahrzeuge
in den Maschinenraum. Der Maschinenraum ist mit einem 40-t-Maschinenhauskran
ausgerüstet.
Über die Druckrohrleitung werden zwei Maschinensätze versorgt,
die in der Kraftwerkskaverne lotrecht angeordnet sind und 1000 Umdrehungen
pro Minute verrichten. Ihre Ausbauleistung beläuft sich auf insgesamt
15 MW. Jeder Generator ist zudem mit einem angeflanschten Hilfssynchrongenerator
ausgestattet, die der Anspeisung der Thyristorerregereinrichtung der
Läuferpole sowie der Versorgung verschiedener Hilfsbetriebe dienen.
Die beiden Generatoren sind über lotrechte Wellen mit Francisturbinen
verbunden, die über ein Schluckvermögen von 6,5 m³/s
bzw. 3,5 m³/s verfügen. Die Ausbauwassermenge beläuft
sich somit auf insgesamt 10 m³/s. Elektrohydraulische Regler
sorgen dafür, daß die Drehzahl der Turbinen konstant bleibt
(Ruetzkraftwerk Fulpmes: 24-27).
Während die massigen Fundamente der Generatoren und Turbinen
unterhalb des Maschinenfußbodens an den ausgebrochenen Gebirgshohlraum
anbetoniert wurden, ist der bauliche Teil über dem Maschinenfußboden
als Haus in den Hohlraum gestellt (Ruetzkraftwerk Fulpmes: 16).
Darüber hinaus ist in der Kraftwerkskaverne eine Notunterkunft
untergebracht, in die sich das Kraftwerkspersonal im Bedarfsfall zurückziehen
kann.
Neben dem Kran- und Schalthaus befindet sich die 110-kV-Freiluftschaltanlage.
Der Abtransport der erzeugten Energie geschieht zunächst über
eine Fernleitung bis zur Schaltstelle Schönberg, wo die Einbindung
in das dort anschließende 110-kV-Verbundnetz der österreichischen
Bundesbahnen erfolgt.
Die Fernsteuerung des Kraftwerk Fulpmes erfolgt vom zentralen Lastverteiler
der österreichischen Bundesbahnen in Innsbruck aus. Das Kraftwerk
wird somit grundsätzlich unbesetzt betrieben.
Beide Maschinensätze sind mit einer vollautomatischen Anfahr-
und Stillsetzungseinrichtung ausgerüstet. Der Einsatz der Maschinen
erfolgt selbsttätig in Abhängigkeit von der Wasserführung.
Bei Ansprechen von Schutzeinrichtungen wird ebenfalls selbsttätig
die Abschaltung des betreffenden Maschinensatzes eingeleitet.
Der zentrale Lastverteiler der österreichischen Bundesbahnen
in Innsbruck hat dann zu entscheiden, welche Maßnahmen getroffen
werden müssen (Ruetzkraftwerk Fulpmes: 27-29).
Übersichtslängenschnitt
des Kraftwerk Fulpmes (GIF-Bild, 91,2 KB)

Österreichische
Bundesbahnen. Ruetzkraftwerk Fulpmes. Wien: Österreichische
Bundesbahnen, 1983. 8-29.
Baldauf, Hugo. Befragung vom 28.06.2004.

(Autor: Michael Laublättner)
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