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Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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| ©
2008 by Michael Laublättner |
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| Diese
historische Aufnahme entstand zwischen Wald am Arlberg und Dalaas
im km 118,5. Im Hintergrund des Bildes ist der Radonatobelviadukt
zu sehen. Der talwärts fahrende Güterzug wird von der 180.97
gezogen (Foto: Gemeindearchiv Dalaas). |
Der
Dampfbetrieb auf der Arlbergbahn
Für die Aufnahme des Fahrbetriebs auf der Arlbergbahn bedurfte
es neuer leistungsfähiger Dampflokomotiven. Aus diesem Grund
wandte sich die k.k. Direktion für Staatseisenbahnbetrieb im
Jahre 1883 in einer Ausschreibung an die Industrie.
Gefordert wurde eine Lokomotive, die in der Lage war, einen Zug mit
einem Gesamtgewicht von 175 t auf der Ostrampe (Maximalsteigung: 26,4
) sowie mit einem Gesamtgewicht von 150 t auf der Westrampe
(Maximalsteigung: 31,4 ) mit einer Geschwindigkeit von jeweils
12 km/h zu befördern (Schröpfer: 154).
Der Ausschreibung war die Entwurfszeichnung einer Gelenklokomotive
beigelegt. Man ging davon aus, daß die bisher zur Anwendung
gekommenen Lokomotivkonstruktionen den Anforderungen auf der Arlbergbahn
nicht gewachsen waren, weshalb sich die k.k. Direktion für Staatseisenbahnbetrieb
für eine Gelenklokomotive mit sechs angetriebenen Achsen, wovon
drei angetriebene Achsen auf die Lokomotive und die drei Restlichen
auf den Tender entfielen, entschied.
Der Nachteil dieser Lokomotivkonstruktion mit "Triebtender"
lag allerdings darin, daß mit dem raschen Aufbrauch der Kohle-
und Wasservorräte während der Bergfahrt eine kontinuierliche
Abnahme des Betriebsgewichtes und somit der Zugkraft einhergegangen
wäre. Aus diesem Grund verwarfen die am Wettbewerb beteiligten
drei namhaften österreichischen Lokomotivfabriken diesen Entwurf
und entwickelten Probelokomotiven nach eigenen Vorstellungen.
Die Lokomotivfabrik Floridsdorf beteiligte sich mit zwei Zweizylinder-Naßdampf-Tenderlokomotiven,
die ab dem Jahre 1885 die Bezeichnung kkStB Serie 79 erhielten. Die
Lokomotive verfügte über vier gekuppelte Achsen. Auffallend
bei dieser Konstruktion war der starr an die Lokomotive angeschlossene
Tenderkasten, welcher auf zwei in einem Deichselgestell nach Bauart
Kamper gelagerten Achsen ruhte. |
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| kkStB
Serie 76 (Skizze: Michael Laublättner) |
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Die
Lokomotivfabrik Wiener Neustadt lieferte vier Zweizylinder-Naßdampflokomotiven
mit vier gekuppelten Achsen, welche mit einem dreiachsigen Tender
ausgestattet waren und mit der Bezeichnung kkStB Serie 76 versehen
wurden.
Die Lokomotivfabrik Krauss & Comp. Linz war mit fünf Zweizylinder-Naßdampf-Tenderlokomotiven
mit vier gekuppelten Achsen vertreten, die als kkStB Serie 78 bezeichnet
wurden.
Alle drei Probelokomotivreihen erfüllten die Vorgaben in der
Ausschreibung und erbrachten die erwünschten Leistungen. Allerdings
erwies sich der Umstand, daß die Tenderlokomotiven nur einen
begrenzten Vorrat an Wasser und Kohle aufzunehmen vermochten, als
Nachteil, da dadurch Betriebsaufenthalte öfter notwendig wurden.
Darüber hinaus neigten die Tenderlokomotiven infolge des raschen
Aufbrauchs der Vorräte während der Bergfahrt und der dadurch
bedingten Abnahme des Dienstgewichtes vermehrt dazu, ins "Schleudern"
(Durchdrehen der Räder) zu geraten.
Am besten bewährte sich auf der Arlbergbahn die Schlepptenderlokomotive
kkStB Serie 76 (Beer: 147-152). Lediglich die Überschreitung
der Profilgrenzen durch die weit außen angeordneten Zylinder
infolge des Außenrahmens wurde bei dieser Lokomotivreihe kritisiert
(Schröpfer: 154).
Da der Fahrbetrieb auf der Arlbergbahn früher als geplant aufgenommen
werden konnte, mußte neben den bereits vorhandenen zehn Probelokomotiven
zusätzlich 21 Lokomotiven von anderen Staatsbahnlinien für
die Betriebsaufnahme zur Verfügung gestellt werden.
Unter anderem gelangten zehn Lokomotiven mit der Bezeichnung kkStB
Serie 52 von der ehemaligen Istrianerbahn nach Bludenz. Diese dreifach
gekuppelten Lokomotiven kamen im Personen- und Schnellzugverkehr zum
Einsatz.
Im Jahre 1885 erfolgte seitens der Staatsbahnverwaltung die Beschaffung
neuer Lokomotiven der kkStB Serie 48. Diese dreifach gekuppelten Lokomotiven
waren in der Lage, auf der Arlbergbahn-Westrampe einen Zug mit einem
Gesamtgewicht von 100 t mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 km/h
bergwärts zu befördern.
Durch die Auslieferung dieser in Wiener Neustadt entwickelten Baureihe
konnten die Lokomotiven der kkStB Serie 52 an andere Bahnen abgegeben
werden. Auch die kkStB Serie 48 war für den Personen- und Schnellzugdienst
vorgesehen. |
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| Lokomotiven
der kkStB Serie 73 kamen auf der Arlbergbahn vorwiegend im Güterverkehr
zum Einsatz. Bei der auf dem Gelände des Heizhaus Straßhof
abgelichteten Lokomotive handelt es sich um die 55.5708 (ÖBB-Bezeichnung,
Foto: Michael Laublättner). |
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Darüber
hinaus wurden im Jahre 1885 der Arlbergbahn neue Güterzuglokomotiven
der kkStB Serie 73 zugeteilt. Bei dieser Baureihe handelte es sich
um eine in der Lokomotivfabrik Floridsdorf hergestellten Zweizylinder-Naßdampflokomotive
mit vier gekuppelten Achsen, die über einen leistungsstarken
Kessel verfügte und sich auf den beiden Rampenstrecken der Arlbergbahn
bewährte.
Diese robuste Schlepptenderlokomotive war imstande, auf der Arlbergbahn-Westrampe
einen Zug mit einem Gesamtgewicht von bis zu 250 t mit einer Geschwindigkeit
von rund 12 km/h bergwärts zu befördern. Auch der Umstand,
daß bei dieser Baureihe eine Hauptreparatur in der Regel erst
nach einer Wegstrecke von 168750 km fällig wurde, ist als Beleg
für die bewährte Konstruktion der Lokomotive zu werten.
Auffallend am optischen Erscheinungsbild der kkStB Serie 73 war die
tiefe Schwerpunktlage des Kessels sowie die in einem Innenrahmen gelagerten
Scheibenräder aus Gußeisen.
Mit der Auslieferung der kkStB Serie 60 ab dem Jahre 1895 gelangte
erstmals eine Mehrzwecklokomotive zur Arlbergbahn. Diese Zweizylinder-Naßdampf-Verbundlokomotive
verfügte über eine Laufachse sowie drei gekuppelte Achsen.
Lokomotiven dieser Baureihe wurden sowohl dem Heizhaus Landeck als
auch Bludenz zugeteilt (Beer: 152-159).
Innerhalb sehr kurzer Zeit war das Verkehrsaufkommen auf der Arlbergbahn
stark angestiegen und übertraf sämtliche Erwartungen. Sowohl
der aufkommende Fremdenverkehr als auch die Konkurrenz im Güterverkehr
durch ausländische Bahnen erforderten eine Kürzung der Fahrzeiten
sowie eine Verdichtung der Zugfolge auf dieser eingleisigen Gebirgsstrecke,
die sich als wichtige Ost-West-Verbindung im internationalen Reise-
und Güterverkehr etablieren konnte.
Darüber hinaus kam es mit der Einführung des vierachsigen
Drehgestelltwagens im internationalen Reiseverkehr Mitte der neunziger
Jahre zu einem sprunghaften Anstieg der Zuggewichte, weshalb von einer
Zweifachtraktion bei Schnellzügen auf den beiden Rampenstrecken
nicht mehr länger abgesehen werden konnte. Um eine deutliche
Steigerung der Verkehrsleistung zu erzielen, bedurfte es einer wesentlich
stärkeren Lokomotive. |
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| kkStB
Serie 170 (Skizze: Michael Laublättner) |
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Aus
diesem Grund entwickelte Karl Gölsdorf (Chefkonstrukteur der
k.k. österreichischen Staatsbahn von 1893-1916) speziell für
den Reisezugdienst auf der Arlbergbahn eine Zweizylinder-Naßdampf-Verbundlokomotive
mit einer Laufachse sowie vier gekuppelten Achsen.
Diese ab dem Jahre 1897 in der Lokomotivfabrik Wiener Neustadt gebauten
Lokomotiven der kkStB Serie 170 waren mit einem leistungsfähigen
Kessel ausgestattet und verfügten über einen Doppeldom,
wodurch eine Vergrößerung des freien Dampfraumes erreicht
wurde. Die ersten fünf Maschinen dieser Baureihe wurden beim
Heizhaus Landeck stationiert (Schröpfer: 137-139). Auf der Ostrampe
waren sie in der Lage, eine Anhängelast von 220 t mit einer Geschwindigkeit
von rund 30 km/h zu befördern.
Ab dem Jahre 1898 übernahmen Lokomotiven der kkStB Serie 106
den Personenverkehr auf der Talstrecke der Arlbergbahn. Bei dieser
Baureihe handelte es sich um eine Zweizylinder-Naßdampf-Verbundlokomotive
mit zwei in einem Drehgestell gelagerten Laufachsen und zwei gekuppelten
Achsen. Auffallend am optischen Erscheinungsbild dieser Lokomotive
waren die großen Triebräder, die einen Durchmesser von
2140 mm aufwiesen.
Eine weitere Verbesserung im Personenverkehr auf der Inntalstrecke
konnte ab dem Jahre 1907 mit dem Einsatz neuer Schnellzuglokomotiven
der kkStB Serie 110.500 erzielt werden. Diese Vierzylinder-Trockendampf-Verbundlokomotive
verfügte über eine vorne und hinten angeordnete Laufachse
sowie drei gekuppelte Achsen.
Um die geforderte Leistung erbringen zu können, bedurfte es bei
dieser Lokomotivkonstruktion eines möglichst großen Feuerrosts,
weshalb die rückwärtige Laufachse weit nach hinten versetzt
werden mußte. Der glatte, konisch erweiterte Kessel trug zudem
zum stilvollen Erscheinungsbild der Lokomotive bei.
Im Jahre 1906 nahmen neue leistungsstarke Gebirgsschnellzuglokomotiven
der kkStB Serie 280 ihren Dienst im Streckenabschnitt Landeck - Bludenz
auf. Diese Vierzylinder-Trockendampf-Verbundlokomotive mit einer Laufachse
sowie fünf gekuppelten Achsen war in der Lage, auf der Arlbergbahn-Ostrampe
einen Schnellzug mit einem Gesamtgewicht von 280 t mit einer Geschwindigkeit
von 32 km/h zu befördern. Dies entsprach der Anhängelast
von sieben vollbesetzten vierachsigen Schnellzugwagen.
Entwickelt wurde die kkStB Serie 280, die mit dem größten
Lokomotivkessel Europas ausgestattet war, von Karl Gölsdorf,
dessen Lokomotivkonstruktion auf der Weltausstellung in Mailand mit
einem "Grandprix" bedacht wurde. Neben der technischen Konstruktion
fand insbesondere das elegante Erscheinungsbild der Lokomotive weltweite
Anerkennung. Mit der Verwirklichung dieser Baureihe war der österreichische
Lokomotivbau seiner Zeit weit voraus.
Durch die Inbetriebnahme von Lokomotivreihen mit fünf gekuppelten
Achsen ging der Dampfbetrieb auf der Arlbergbahn seinem Höhepunkt
entgegen. |
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| kkStB
Serie 380 (Skizze: Michael Laublättner) |
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Unter
Beibehaltung der Lokomotivkonstruktion der kkStB Serie 280 gelangten
im Jahre 1909 neue Lokomotiven dieser Baureihe, durch den Einbau eines
Schmidt-Überhitzers jedoch in Heißdampfausführung,
zur Auslieferung. Diese Vierzylinder-Heißdampf-Verbundlokomotive
wurde mit der Reihenbezeichnung kkStB Serie 380 versehen.
Der Heizhausleitung Landeck wurden ab dem Jahre 1914 schließlich
drei Maschinen der Baureihe 380.100 zugeteilt. Diese Lokomotiven unterschieden
sich von jenen der Baureihe 380 lediglich in der Anordnung von Kolbenschiebern
anstelle von Flachschiebern über den Zylindern.
Auf den beiden Rampenstrecken der Arlbergbahn war die kkStB Serie
380.100 in der Lage, einen Zug mit einem Gesamtgewicht von 300 t zu
bewältigen. Bei einer Steigerung der Heizflächenbelastung
erbrachten die Lokomotiven dieser Baureihe eine Leistung von bis zu
1544 kW.
In Anbetracht der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 70
km/h eigneten sich die kkStB Serien 280 und 380.100 für den Durchlaufbetrieb
zwischen Innsbruck und Feldkirch.
Die Auslieferung der ersten österreichischen Lokomotive mit fünf
gekuppelten Achsen fällt allerdings in das Jahr 1901. Ausschlaggebend
für den Bau der kkStB Serie 180, eine Zweizylinder-Naßdampf-Verbundlokomotive,
waren theoretische Untersuchungen von R. v. Helmholtz (Chefkonstrukteur
der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. in München), auf dessen
Grundlage Gölsdorf eine Lokomotive entwickelte, bei der die 1.,
3. und 5. Achse seitlich verschiebbar war.
Bedingt durch diese Anordnung der Achsen konnten erstmals Bögen
mit einem Krümmungshalbmesser von bis zu 180 m von Lokomotiven
mit fünf gekuppelten Achsen problemlos durchfahren werden. Die
Fahrwerkskonstruktion der kkStB Serie 180 wurde auch in anderen Ländern
im Lokomotivbau übernommen.
Die Maschinen dieser Baureihe kamen auf den beiden Rampenstrecken
der Arlbergbahn im Güterverkehr zum Einsatz. Unter anderem war
der Heizhausleitung Landeck im Jahre 1914 die 180.121 zugeteilt.
Auch diese Baureihe gelangte ab dem Jahre 1909 nur noch in Heißdampfausführung
zur Auslieferung. Durch den Einbau von Überhitzerelementen konnte
die Dampftemperatur angehoben und somit eine Steigerung der Lokomotivleistung
erzielt werden. Diese Zweizylinder-Heißdampf-Verbundlokomotive
wurde mit der Reihenbezeichnung kkStB Serie 80 versehen. Bei der Heizhausleitung
Landeck war im Jahre 1914 die 80.12 stationiert.
Anfang der 1920er Jahre wurden neue Lokomotiven der kkStB Serie 81,
eine Zweizylinder-Heißdampflokomotive, sowie der kkStB Serie
181, eine Zweizylinder-Heißdampf-Verbundlokomotive, auf der
Arlbergbahn in Dienst gestellt. Diese von Sektionschef Johann Rihosek
(Nachfolger von Karl Gölsdorf) entworfenen Lokomotivreihen verfügten
über eine Laufachse und fünf gekuppelte Achsen.
Ursprünglich sollten sie für den Abtransport der schweren
Kohlezüge aus dem Ostrauer Kohlenrevier herangezogen werden.
Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verzögerte sich allerdings
die Auslieferung der beiden Lokomotivreihen. Nach dem Zusammenbruch
der Donaumonarchie wurden sie schließlich infolge des ungünstigen
Kriegsausganges auf den vorgesehenen Strecken nicht mehr benötigt. |
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| Insbesondere
im Arlbergtunnel war der Dampfbetrieb lange Zeit mit enormen
Erschwernissen verbunden (Foto: Michael Laublättner). |
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Der
Dampfbetrieb stellte an das Bahnpersonal auf der Arlbergbahn enorme
Anforderungen. Insbesondere die schlechten Belüftungsverhältnisse,
die im Arlbergtunnel vorherrschten, führten immer wieder zu betrieblichen
Problemen. Zum Zeitpunkt der Betriebsaufnahme auf der Arlbergbahn
war man von einer natürlichen Tunnelentlüftung ausgegangen,
es sollte sich jedoch herausstellen, daß diese an mindestens
80 Tagen im Jahr nicht gegeben war.
Die durch den Dampfbetrieb verursachten giftigen Rauchgase verdichteten
sich in weiterer Folge in der Tunnelröhre zu einem "Pfropfen".
Erstmals wurde die Bahnleitung im Jahre 1890 auf diese Problematik
aufmerksam, als mehrmals Oberbauarbeiter während ihres Aufenthalts
im Tunnel bewußtlos wurden.
Untersuchungen im Auftrag der kkStB ergaben, daß die giftigen
Rauchgase bisher vom Schotterbett und dem Mauerwerk absorbiert worden
waren. Die Bahnleitung veranlaßte umgehend die Erneuerung des
Schotterbetts im Arlbergtunnel.
Um die Rauchentwicklung in Hinkunft einzuschränken, wurden verschiedene
Vorsorgemaßnahmen getroffen, welche Versuche mit schwefelarmen
Kohlesorten sowie die Verwendung von trockenem Koks, der absofort
abgedeckt zu lagern war, vorsahen. Auch Schwämme und nasse Tücher,
die sich das Lokomotivpersonal währen der Fahrt durch den Tunnel
vor den Mund hielt, boten nur einen unzureichenden Schutz vor den
in den Rauchgasen enthaltenen Schadstoffen wie Schwefeldioxid und
Kohlenmonoxid.
Bedenkt man, daß eine Fahrt durch den Arlbergtunnel um die Jahrhundertwende
eine Zeitspanne von 30-40 Minuten in Anspruch nahm, ist heute kaum
noch nachvollziehbar, mit welchen Erschwernissen das Lokomotivpersonal
konfrontiert war. Heute durchfährt ein Schnellzug den Tunnel
in weniger als acht Minuten.
Der zweifelsohne schwerste Zwischenfall ereignete sich schließlich
am 16. Juni 1893, bei dem 74 Oberbauarbeiter durch das Einatmen der
Rauchgase ihr Bewußtsein verloren und umgehend aus dem Tunnel
gebracht werden mußten.
Eine wesentliche Verminderung der Rauchgasentwicklung im Arlbergtunnel
konnte erst mit der Umstellung auf Ölfeuerung im Jahre 1896 erzielt
werden. Erstmals kam diese Zusatzfeuerung probeweise bei einer Lokomotive
der kkStB Serie 73 ab dem Jahre 1894 zur Anwendung. Nachdem sich diese
in der Folgezeit bewährt hatte, wurden wie bereits erwähnt
im Jahre 1896 weitere Lokomotiven der kkStB Serien 73 und 48 mit einer
Ölfeuerung ausgestattet.
Durch die Verwendung von Rückstandsöl und Blauöl sollte
eine möglichst vollkommene Verbrennung sichergestellt werden.
Im Jahre 1907 standen bereits 38 ölgefeuerte Lokomotiven auf
der Arlbergbahn zur Verfügung.
Aber auch auf offener Strecke gestaltete sich der Dienst auf einer
Dampflokomotive recht schwierig. Bedingt durch die seitlich offenen
Führerhäuser war das Lokomotivpersonal, bestehend aus dem
Lokomotivführer und dem Heizer, bei geöffneter Feuertür
nicht nur der strahlenden Glut, sondern auch den Witterungsbedingungen
wie Regen und Schnee sowie dem Fahrtwind ausgesetzt.
Jeder Lokomotive waren zwei Partien zugeteilt, die ein "persönliches
Verhältnis" zu ihrer Maschine pflegten und für deren
Betreuung und Überwachung während der Fahrt verantwortlich
zeichneten. Lange vor Fahrtantritt nahm das Lokomotivpersonal seinen
Dienst auf, um den Zustand der Lokomotive zu überprüfen
und die Schmierstellen mit Öl zu versorgen.
Nach Aufnahme der Kohle- und Wasservorräte stand die Maschine
für den nächsten Einsatz zur Verfügung. Nach jeder
Fahrt galt es die Dampflokomotiven zu entschlacken und zu reinigen
sowie in regelmäßigen Zeitabständen die Lokomotivkessel
auszuwaschen. |
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| In
der während des Bahnbaus im Bahnhof Bludenz errichteten
Lokomotivhalle konnten acht Dampflokomotiven abgestellt werden.
Zur Zeit des Dampfbetriebes war das Heizhaus Bludenz der Heizhausleitung
Feldkirch unterstellt (Foto: Michael Laublättner). |
|
Da
die Lokhallen der Heizhäuser Landeck und Bludenz nur Platz für
wenige Fahrzeuge boten, mußten Wartungsarbeiten oftmals im Freien
durchgeführt werden.
Kohlebeladestellen befanden sich in Landeck, St. Anton a/A, Langen
a/A und Bludenz. Wasserfülleinrichtungen waren in allen Bahnhöfen
vorhanden, lediglich die Station Pettneu bildet hier eine Ausnahme.
Mit welchen Anstrengungen der Dienst auf einer Dampflokomotive verbunden
war, belegt auch der Umstand, daß währen der rund einstündigen
Bergfahrt der Heizer bis zu 2 t Kohle in den Feuerschlund der Lokomotive
zu befördern hatte.
Mit der Aufnahme des elektrischen Fahrbetriebs auf der Arlbergbahn
am 14. Mai 1925 konnte der Bestand an Dampflokomotiven deutlich verringert
und die Maschinen an anderen Bahnen abgegeben werden. Allerdings bedurfte
es auch weiterhin der Stationierung einiger Dampflokomotiven, die
beispielsweise für Hilfsdienste bei Lawinenabgängen herangezogen
werden konnten.
Während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit kamen
insbesondere Dampflokomotiven des Bw Lindau bei Hilfszug- und Schneeräumfahrten
zum Einsatz. Ab den 1950er Jahren übernahmen schließlich
die in Bludenz beheimateten preußischen Dampflokomotiven der
Reihe G12 (ÖBB 658) sowie bis 1970 Tenderlokomotiven der Baureihe
95 diese Aufgaben (Beer: 157-172). |
| kkStB
Serie (Hauptkenndaten) |
76 |
170 |
380 |
| Bauart |
D-n2 |
1D-n2v |
1E-h4v |
| Erstes
Baujahr |
1884 |
1897 |
1909 |
| Zulässige
Höchstgeschwindigkeit |
- |
60 |
70 |
| Dienstgewicht
(t) |
53,5 |
69,0 |
81,1 |
| Reibungsgewicht
(t) |
53,5 |
58,0 |
70,0 |
| Zylinder
ø (mm) |
540 |
540/800 |
2x390/630 |
| Kolbenhub
(mm) |
610 |
632 |
720 |
| Treibrad
ø (mm) |
1140 |
1258 |
1450 |
| Dampfdruck
(bar) |
11 |
13 |
16 |
| Verdampfungsheizfläche
(m²) |
163,7 |
226,7 |
175 |
| Rostfläche
(m²) |
2,46 |
3,9 |
4,6 |
| Länge
über Puffer (mm) |
? |
17430 |
18023 |
| Leistung
(kW) |
368 |
920 |
1544 |

Beer, Lothar. Die Geschichte der Bahnen in Vorarlberg. 1. Bd.
Hard: Hecht, 1994.
Schröpfer, Heribert. Triebfahrzeuge österreichischer
Eisenbahnen. Dampflokomotiven BBÖ und ÖBB. Düsseldorf:
Alba, 1989.

(Autor: Michael Laublättner)
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