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Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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2008 by Michael Laublättner |
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| Mit
der Inbetriebnahme des Blisadonatunnels am 09. September 2003 wird
eines der herausragendsten Brückenbauwerke der Arlbergbahn-Westrampe,
der hier im Bild gezeigte Wäldlitobelviadukt, umfahren. Diese
Aufnahme entstand zwischen Langen am Arlberg und Wald am Arlberg im
km 113,0. Der bergwärts fahrende EC 569 "Vorarlberg"
wird von einer Lokomotive der Baureihe 1016 gezogen (Foto: Michael
Laublättner). |
Die
Brückenbauwerke der Arlbergbahn
Imposante Brücken und Viadukte prägen auf ganz besondere
Weise das Bild einer Gebirgsstrecke und somit auch jenes der Arlbergbahn.
Die zahlreichen und beeindruckenden Kunstbauten lassen nur unschwer
erkennen, welche natürlichen Erschwernisse beim Bau dieser Gebirgstrecke
überwunden werden mussten. Der nachfolgende Bericht soll klären,
unter welchen Voraussetzungen diese Bauwerke zustande gekommen sind.
Beim Bau der Arlbergbahn gelangten fast ausschließlich Steingewölbekonstruktionen
aus unbearbeiteten Bruchsteinen zur Ausführung, wobei die Verwendung
von Eisenkonstruktionen nur dann in Erwägung gezogen wurde, wenn
diese Vorteile gegenüber den dauerhaften Steinkonstruktionen
boten. Bei der Herstellung der Mauerwerke kamen insbesondere wetterfeste
Bruchsteine zur Anwendung, welche der Umgebung der Baustelle entnommen
werden konnten. Die erforderliche Menge an Mörtel wurde mithilfe
der in Tirol und Vorarlberg hergestellten Bindemittel erzeugt.
Sowohl weite Teile des Arlbergtunnels, alle kleineren Tunnels, die
hohen Pfeiler der großen Viadukte, alle kleineren Viadukte,
alle Gewölbe bis 16 bzw. 20 m Spannweite, als auch sämtliche
kleineren Objekte wurden mithilfe des Bruchsteinmauerwerks realisiert.
Als Steinmaterial dienten Kalk, Gneis und Glimmerschiefer.
Das Bruchsteinmauerwerk ist sowohl außen wie innen gleich behandelt,
weshalb das raue Erscheinungsbild der Viadukte mit Vorsprüngen
von bis zu 0,4 m Ausladung nicht verwundern mag. Bei größeren
Pfeilerbauten, wie sie beim Trisanna- und Schmiedetobelviadukt vorzufinden
sind, kamen zudem in Abständen von ca. 10 m durchbindende Lagen
von Quadern bzw. von rau bearbeitetem Schichtenmauerwerk zur Anwendung,
welche ebenfalls nach außen hin sichtbar sind. Im Regelfall
beschränkte sich die Verwendung von Quadermauerwerk hingegen
auf Unterlagen von Brückenträgern und Abdeckungen.
Hinsichtlich der Belastung des Bruchsteinmauerwerks scheint es erwähnenswert,
dass die Inanspruchnahme des Mauerwerks bei kleineren Bauwerken an
der Basis normalerweise 7 kg/cm² nicht übersteigt. In Gewölben
mit Spannweiten von bis zu 12 m beträgt diese im Schnitt 7-8
kg/cm².
Anders verhält sich dies hingegen bei den großen Kunstbauten,
so beträgt die Belastung bei den großen Pfeilern des Trisannaviadukts
im ungünstigsten Fall an der Basis 13 kg/cm², am Kämpfer
5 kg/cm². Die Beanspruchung der kleineren Pfeiler liegt wiederum
bei 11 kg/cm², jene der Gewölbe bei 8 kg/cm². Bei der
41 m weiten Gewölbekonstruktion des Wäldlitobelviadukts
beläuft sich die größte Inanspruchnahme des Bruchsteinmauerwerks
auf 14 kg/cm². Beim Schmiedetobelviadukt lässt sich die
größte Inanspruchnahme der Pfeiler mit 11 kg/cm²,
die der Gewölbe mit 10 kg/cm² festlegen.
Im Hinblick auf den Einsatz von schweren Achtkupplerlokomotiven wurden
sämtliche Brücken der Arlbergbahn mit einem eisernen Überbau
versehen, welcher einer Belastung von bis zu 15 Tonnen Achsendruck
standhalten sollte (ein Wert der insbesondere im Güterzugdienst
durchaus zutage treten konnte), wobei die Möglichkeit gegeben
war, dem Güterzug drei weitere Lokomotiven derselben Bauart an
der Zugspitze beizugeben.
Mit Rücksicht auf ungünstige Einflüsse, wie punktuell
auftretende Fahrstöße, welche sich nicht in systematischer
Weise erfassen lassen, musste der Berechung der Steingewölbekonstruktionen
"vermehrte" Achsendrücke zugrunde gelegt werden. Diese
Vermehrung betrug je nach Stützweite bis 10 m 30 %, bei 10-30
m 25 %, bei 30-60 m 20 % und bei 60-100 m 15 %. Als Windbelastung
ist bei belasteter Brücke ein Druck von 150 kg/m², bei unbelasteter
Brücke ein Druck von 250 kg/m² in die Berechnung miteingeflossen.
In Anbetracht der getroffenen Vorkehrungen darf es nicht verwundern,
dass sämtliche Viadukte der Arlbergbahn dem stetig steigenden
Verkehrsaufkommen nach wie vor gewachsen sind. Selbst wenn heute Lokomotiven
mit einem Maximal-Achsendruck von 22,5 Tonnen auf den beiden Rampen
der Arlbergbahn verkehren, ist dieser Umstand für die Viadukte
von verschwindend kleiner Wirkung und somit völlig ohne Belang.
Zweifelsohne prägen die gewölbten Brücken und Viadukte
auf ganz besondere Weise das Bild der Arlbergbahn. Das bedeutendste
Bauwerk dieser Art ist der Wäldlitobelviadukt bei Klösterle,
welcher mit einem nicht ganz halbkreisförmigen Gewölbe von
41 m Lichtweite und einer 8 m weiten Nebenöffnung die tiefe Felsschlucht
des Wäldlitobels in einer Höhe von 50 m überspannt.
Das nach einem Kreisbogen mit dem Halbmesser von 22,5 m gekrümmte
Gewölbe des Hauptbogens ist im Scheitel 1,7 m, im Kämpfer
3,1 m stark.
Neben dem Wäldlitobelviadukt vermag auch der Schmiedetobelviadukt,
welcher sich zwischen den Bahnhöfen Dalaas und Hintergasse befindet,
ebenso sehr zu beeindrucken. Dieser über eine 114 m weite und
56 m tiefe Felsschlucht gebaute Viadukt verfügt über drei
Halbkreisgewölbe von je 22 m Spannweite, auf beiden Seiten daran
anschließend erstreckt sich je ein ebensogeartetes Gewölbe
von 12 m Lichtweite. Die großen Gewölbe ruhen auf zwei
Pfeilern von 38,2 m bzw. 39,4 m Höhe (von der Fundamentsohle
bis zum Bogenanlauf gemessen) und haben im Scheitel 1,25 m, am Kämpfer
2,3 m Stärke.
Der Viadukt über die Alfenz bei Langen a/A, folglich
die Viadukte über den Radona-, den Höllen-
und den Brunnentobel bei Dalaas sind dem Schmiedetobelviadukt
zwar ähnlich und nicht minder beeindruckend, doch übersetzen
die ebengenannten Brücken die ihr zugrunde liegenden Schluchten
nur in einer Höhe von 18-22 m.
Bezüglich des Alfenzviadukts scheint es noch erwähnenswert,
dass das Gewölbe der 20 m weiten Mittelöffnung mithilfe
von unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk aus lagerhaftem
Gneis ausgeführt wurde, während hingegen beim Bau der Wäldli-,
Radona-, Höllen-, Schmiede- und Brunnentobelbrücke mit Gewölbekonstruktionen
von bis zu über 20 m Lichtweite raues Schichtenmauerwerk aus
Kalkstein zur Anwendung kam.
Hinsichtlich des Wäldlitobelviadukts gilt es noch darauf hinzuweisen,
dass zur Herstellung dieses Bauwerks sowohl Kalkstein als auch Gneis
als Steinmaterial dienten, nachdem der Bedarf an rauen Schichtensteinen
der gleichen Steinsorte in dem zur Verfügung gestandenen Zeitraum
nicht abgedeckt werden konnte.
Neben den bereits erwähnten Steingewölbekonstruktionen gelangten
auf den beiden Rampen der Arlbergbahn noch zwölf weitere große
Viadukte mit zusammen 55 Öffnungen von 5-12 m Lichtweite und
einer gesamten lichten Weite von 463 m zur Ausführung, wobei
auch die Nebenöffnungen der Innbrücke bei Landeck und jene
der Trisannabrücke bei Wiesberg zu diesen Konstruktionen gezählt
werden.
Hinsichtlich der offenen bzw. eisernen Brücken kann wohl zweifelsohne
festgestellt werden, dass die Trisannabrücke zu den herausragendsten
und zugleich spektakulärsten Brückenkonstruktionen zählt,
die der Arlbergbahnbau hervorgebracht hat. Mit einer Weite von 230
m überspannt dieses Bauwerk die Trisannaschlucht in einer Höhe
von 87 m, verfügt über eine Mittelöffnung mit einem
Fachwerkträger von 120 m Stützweite, sowie über sieben
gewölbte Seitenöffnungen mit je 9 m Spannweite.
Die Herstellung der großen Pfeiler des Viaduktes erforderte
unter Ausschluss der Winterperiode einen Zeitraum von 12 Monaten -
Juli 1883 bis Juli 1884 - (Denkschrift aus Anlass des zehnjährigen
Betriebes: 25-35), wobei die Bauarbeiten mithilfe einer elektrischen
Beleuchtung auch in der Nacht vorangetrieben werden konnten.
Die Errichtung des Montierungsgerüsts für die Eisenkonstruktion
oblag jedoch nicht dem Lieferanten derselbigen, wie dies normalerweise
gehandhabt wurde, sondern wurde von der Staatsverwaltung selbst vorgenommen.
Solange die Montierung der Eisenkonstruktion noch nicht in Angriff
genommen werden konnte, durfte dieses Gerüst auch für den
Bau der Pfeiler des Viaduktes verwendet werden. Die hierfür erforderliche
Menge an Bruchsteinen wurde der unmittelbaren Umgebung der Baustelle
entnommen und das geförderte Steinmaterial mithilfe eines Aufzuges,
welcher in das Montierungsgerüst eingelassen war, auf die gewünschte
Etage des Gerüstes gehoben, sowie auf Dienstbahnen bis zu den
Pfeilern gebracht (Bischoff: 34).
Abschließend sei darauf verwiesen, dass die mitunter imposant
anmutenden Brücken und Viadukte aber noch lange nicht zu den
schwierigsten Bauvorhaben zu zählen sind, welche beim Bau der
Arlbergbahn zur Ausführung gelangt sind. Die Herstellung zahlreicher
Aquädukte und überwölbter Einschnitte, welche zur Überführung
von Lawinenabgängen, sowie zur unschädlichen Ableitung von
Bachläufen und Murenabgängen dienen, waren mit enormen Schwierigkeiten
verbunden (Denkschrift aus Anlass des zehnjährigen Betriebes:
35).

Bischoff, Friedrich. Denkschrift der k. k. General-Direktion
der österr. Staatsbahnen über den Fortschritt der Projektirungs-
und Bauarbeiten der Arlberg-Bahn: Schluss. 3. Bd. Wien: kaiserlich-königliche
Hof- und Staatsdruckerei, 1890.
k. k. Staatsbahndirection Innsbruck, Hg. Die Arlbergbahn: Denkschrift
aus Anlass des zehnjährigen Betriebes 1884-1894. Innsbruck: k.
k. Staatsbahndirection Innsbruck, 1896.

(Autor: Michael Laublättner)
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