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Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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| ©
2008 by Michael Laublättner |
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| Insbesondere
an außergewöhnlich heißen Tagen oder nach längeren
Trockenperioden ist der Wasserlöschzug der Zugförderungsleitung
Bludenz auf der Arlbergbahn-Westrampe anzutreffen. Diese Aufnahme
entstand zwischen Wald am Arlberg und Dalaas im km 118,0. Der bergwärts
fahrende Wasserlöschzug wird von der 1044.093-1 geschoben (Foto:
Michael Laublättner). |
Der
Bau der Arlbergbahn (Teil 2)
Der ungewöhnlich milde an Niederschlägen arme Winter 1882/83
und der infolgedessen ausnehmend niedrige Wasserstand im Innfluß
hat sich äußerst günstig auf den Verlauf der Bautätigkeiten
im Streckenabschnitt Innsbruck - Landeck ausgewirkt. Der hierbei gewonnene
zeitliche Vorsprung war von umso größerer Bedeutung, da
die häufigen und andauernden Regenfälle während der
nächsten Sommermonate des Jahres 1882 den Fortgang der Arbeiten
nachhaltig beeinträchtigten. Trotzdem konnte der für die
Fertigstellung der Talstrecke festgesetzte Vollendungstermin mit 01.07.1883
eingehalten und die Strecke Innsbruck - Landeck termingerecht an diesem
Tag dem öffentlichen Verkehr übergeben werden.
Hinsichtlich der Strecke Landeck - St. Anton a/A und Langen a/A -
Bludenz wurden nach erfolgter Vergabe der Unterbau-, Oberbau- und
Hochbauarbeiten am 06.08.1882 von seiten der Bauunternehmer die ersten
erforderlichen Bauvorbereitungen getroffen. Zunächst konnten
hingegen wegen der mittlerweile vorgerückten Jahreszeit nur jene
Arbeiten ins Auge gefasst werden, deren Ausführung in den Wintermonaten
keine Probleme bereiteten und ferner dergestalt waren, dass der Bau
der beiden Rampenstrecken mit Beginn der besseren Jahreszeit ohne
nennenswerte Verzögerungen in Angriff genommen werden konnte.
Im Rahmen dieser Vorbereitungsphase sind folgende Einrichtungen entstanden:
die Zufahrtsstraßen zur Bahntrasse, Dienstbahnen, Aufzüge
für die Beförderung verschiedener Baumaterialien, Entwässerungsanlagen
für Dammunterlagen, sowie Schlitzbauten an jenen Stellen, an
denen sich der Hang als instabil erwies.
Mit welch einfachen aber äußerst effizienten Mitteln der
Bahnbau vorangetrieben wurde, beweist der Einsatz von Seilaufzügen,
welche mithilfe von Erdmaterial, welches beim Bau keine Verwendung
fand, betrieben wurden. In einzelnen Fällen wurde statt Erdmaterial
Wasser als Gegengewicht verwendet. Auf der Westrampe standen acht
dieser Seilaufzüge, von denen zwei mit Wasser betrieben wurden,
auf der Ostrampe vier kleine Seilaufzüge für die Versorgung
einzelner Arbeitsplätze mit Baumaterialien im Einsatz.
Am 06.09.1884 wurde die Strecke nach mehr als zweijähriger Bautätigkeit
für den Frachtenverkehr und am 21.09.1884 für den Personenverkehr
freigegeben.
Streckenabschnitt Innsbruck-Landeck (Talstrecke)
Die Bautätigkeiten bereiteten auf dem Abschnitt Innsbruck - Ötztalübersetzung
in unmittelbarere Nähe der Stationsanlage Ötztal aufgrund
des flachen Terrains in der Regel keine nennenswerten Schwierigkeiten.
Anders verhielt sich dies hingegen zwischen Ötztal und Landeck.
Hier erschwerten die Enge des Tales und der Abbau von Steinmaterial
knapp am vielfach steilen Innufer den Bau der Bahn. Hinsichtlich der
Gesteinsarten wurden in diesem Abschnitt hauptsächlich Kalkgestein
verschiedener Art, Gneis und Glimmerschiefer angetroffen, somit Steinmaterial,
welches sich als Baumaterial bestens verwenden ließ.
Streckenabschnitt Landeck - Bludenz (Bergstrecke)
Jene auf den Abschnitten Landeck - St. Anton a/A und Langen a/A -
Bludenz verzeichneten Bautätigkeiten und jene mit der Herstellung
dieser beiden Rampenstrecken verbundenen Erd- und Felsarbeiten mussten
größtenteils unter sehr schwierigen Bedingungen vorangetrieben
werden. Sowohl die Steilheit der Lehnen als auch die wechselnde Gebirgsbeschaffenheit
machten die Herstellung von stellenweise bis zu 10 m hohen Mauerwerken
notwendig, womit erreicht werden sollte, dass die Ausdehnung der Einschnitte
auf ein ökonomisches Maß beschränkt werden konnte.
In Anbetracht der zahlreichen Einschnitte, welche die Arlbergbahn
durchsetzt, ein äußerst zeitaufwändiges Unterfangen,
weshalb es auch nicht verwundern mag, dass das Schwergewicht der Arbeiten
beim Bau der Bahn in der Menge der herzustellenden Mauerwerke lag,
denen die Aufgabe zufiel, den überlagernden Erdkörper abzustützen.
An jenen Stellen, an denen das Gebirge eine geringe Festigkeit aufwies,
sind sogenannte Futtermauern zur Ausführung gelangt, welche dazu
bestimmt waren, das lockere Terrain abzustützen, wobei größte
Vorsicht geboten war. Zunächst wurden nur jene für die Errichtung
des Mauerwerks erforderlichen Räume in Form von Schlitzen, Stollen
und Schächten ausgehoben und mit einer kräftigen Zimmerung
versehen. An den Aushub des restlichen Erdmaterials des betreffenden
Einschnittes konnte erst dann geschritten werden, wenn die Futtermauer
fertig gestellt war.
Das Abtragen des Erdmaterials wurde an vielen Stellen auch durch die
gleichzeitige Gewinnung von Bruchsteinen, welche für die Herstellung
von trockenen Steinbauten und Mörtelmauerwerk benötigt wurden,
zusätzlich erschwert. In Anbetracht der enormen Anzahl der herzustellenden
Futtermauern ließ es sich jedoch nicht vermeiden, dass jene
während des Aushubs der Einschnitte gewonnenen brauchbaren Steine
für den letztgenannten Zweck selbst verwendet werden mussten.
Hinsichtlich der Gesteinsarten wurden im Streckenabschnitt Innübersetzung
nächst Landeck im km 74 - Rosanabrücke im km 92 vorwiegend
Glimmerschiefer an der Oberfläche angetroffen, welches in unterschiedlichem
Maße von Verwitterungsprodukten und streckenweise von Felstrümmern
desselben Gesteins überlagert wird. Die Einschnitte sind teils
von Glimmerschiefer, teils denselben überlagernd von Verwitterungsprodukten
überzogen.
Ferner durchsetzt die Bahn innerhalb dieser Strecke zwischen km 83
und km 84 nächst Strengen mächtige Kalkschuttbildungen,
welche von den Kalkgebirgen des entgegengesetzten Ufers herrühren
und die Schiefergebilde der gegenüberliegenden Tallehne bedecken.
Weiters durchsetzt die Bahn im km 85 und km 87 die mächtigen
Schuttkegel des Klaus- und Gondebachs, welche das hier zutage tretende
Schiefervorkommen überlagern. Die aus diesen Schuttkegeln gewonnenen
Gneisfindlinge lieferten ein vorzügliches Material für die
Quadererzeugung.
Jene Materialgräben, welche zwischen km 87 und km 88 für
die Aufschüttung der Stationsanlage Flirsch angelegt wurden,
gaben den Blick auf eine beachtliche Zahl von Baumstämmen (die
Überreste von durch Lawinen zu Tal gerissenen Waldungen) frei,
welche unter enormen Aufwand beseitigt werden mussten.
Unmittelbar hinter km 88 verläuft die Bahn wiederum im Kalkmurenschutt,
wobei sie im letzten Teil der oben angeführten Strecke zwischen
km 90 und km 91 zwei Murenschuttkegel durchdringt und sich allmählich
der Talsohle nähert. Dergestalt folgt die Bahn der Talsohle im
Wesentlichen auf niederen Dämmen bis km 97 nächst Nasserein,
wobei sie innerhalb dieser Strecke an drei Stellen aus dem Gebirge
vorgeschobene Murenschuttegel durchsetzt.
Von hier an erhebt sich die Bahn an den flachen Seitenhängen
bis km 100 etwas über die Talsohle, womit die Stationsanlage
von St. Anton a/A sowie das Ostportal des Arlbergtunnels erreicht
wären.
Mit der Übersetzung der Alfenz im km 111 nächst Langen a/A
verlässt die Bahn das Gebiet der kristallinischen Schiefer und
tritt in die Kalkformationen des Klostertales ein. Im Streckenabschnitt
Langen a/A - Spreubach im km 116 nächst Wald a/A wurde jedoch
Tonschieferschutt mit Kalkfindlingen an der Oberfläche, in etwas
größerer Tiefe wiederum Schieferfelsen angetroffen. Nur
zwischen km 113 und km 114 sowie zwischen km 114 und km 115 tritt
reiner Kalkfelsen zutage, weshalb in diesen Abschnitten an mehreren
Stellen bedeutende Felssprengungen vorgenommen werden mussten.
Zwischen km 116 und 118 nächst dem Radonatobel finden sich dolomitische
Verwitterungsprodukte (Lehm und Schotter), sowie mit Schieferfelsen
durchsetzte Dolomitenfelsen, welche ebenfalls bedeutende Felssprengungen
notwenig machten. Unmittelbar hinter km 118 durchsetzt die Bahn bis
km 119 Muränenschutt und von hier an bis km 120 Gipsfelsen. Im
weiteren Verlauf der Strecke wurde Tonschiefer abwechselnd mit Kalkfelsen,
Murenschutt mit großen Kalkfindlingen und Mergel angetroffen.
Zwischen km 122 und km 124 zeigt sich fester Kalkfelsen mit vertikal
aufgerichteten, senkrecht abfallende Felswände bildend, dünnen
Schichten. Zwischen km 124 und km 125, der sogenannten Brazer Halde,
eine steile Wiesenfläche, wurde an der Oberfläche zunächst
Schieferschutt, in größerer wechselnder Tiefe Tonschieferfelsen,
welcher auch im nachfolgenden Streckenabschnitt bis km 126 vorherrscht,
angetroffen.
Zwischen km 126 und km 128 durchfährt die Bahn wiederum steile
Kalkfelsen, in weiterer Folge, gegen km 129, durchsetzt sie hügelförmig
begrenzte Schuttablagerungen, welche von seitlichen Wildbächen
herrühren und bisweilen große Einschnitte notwendig machten.
Im Streckenabschnitt Braz im km 129 - Bings im km 132 wendet sich
die Bahn dem flachgeneigten Vorlande zu, tritt jedoch wieder an steile,
gegen den Talgrund vorgeschobene Kalkfelswände heran, welche
sie bei km 133 verlässt. Von hier an nähert sich die Bahn
der stellenweise versumpften Talebene der Ill, welche im km 135 nächst
Bludenz erreicht ist. Innerhalb dieser Strecke verläuft die Bahntrasse
im Kalkschotter.
Die Beschaffenheit des Gebirges an den Lehnen entlang der gesamten
Bahnstrecke von Innsbruck bis Bludenz erwies sich hinsichtlich der
Herstellung des Bahnkörpers im Wesentlichen als günstig,
obwohl diese an mehreren Stellen nicht jene Festigkeit aufwies, wie
dies bei der Planung der Arlbergbahn angenommen wurde.
Bedingt durch die wechselnde Gebirgsbeschaffenheit entlang der Strecke
wurde an jenen Stellen, an denen die den Felsen überlagernden
Verwitterungsprodukte von Wasseradern durchzogen und erweicht wurden,
die Herstellung von Entwässerungsanlagen (Schlitze) zur Trockenlegung
dieser Schichte für notwendig erachtet. In jenen Fällen,
in denen an den Aushub eines Einschnittes geschritten werden sollte,
ferner jedoch auch die Herstellung einer Entwässerungsanlage
für notwendig erachtet wurde, musste mit den Einschnittsarbeiten
solange zugewartet werden, bis eine entsprechende Entwässerungsanlage
fertig gestellt war. Diese Vorgehensweise wurde auch dann beibehalten,
wenn die Notwendigkeit einer derartigen Anlage zu einem späteren
Zeitpunkt erkannt wurde, sodass die Einschnittsarbeiten auch in diesem
Falle erst nach Fertigstellung der Entwässerungsanlage wieder
aufgenommen werden konnten.
Hinsichtlich des Unterbaus sei darauf hingewiesen, dass die Unterbaukrone
an jenen Stellen, an denen nicht Grabenmauern, bis zur Bahnkrone reichende
Stützmauern oder Objektsbauten zur Ausführung gelangten,
eine Breite von 5,2 m aufweist. Bögen mit Radien von 300 m und
darunter verfügen an der Außenseite über eine um 0,1
m vergrößerte Unterbaukrone. An jenen Stellen, an denen
bis zur Schwellenoberkante reichende Stützmauern zur Ausführung
gelangten, betrug die Breite des Oberbaus im Minimum 2,0 m bzw. 2,35
m. Objekte erhielten eine Minimalbreite von 4,45 m (Bischoff: 16-32).

Bischoff,
Friedrich. Denkschrift der k. k. General-Direktion der österr.
Staatsbahnen über den Fortschritt der Projektirungs- und Bauarbeiten
der Arlberg-Bahn: Schluss. 3. Bd. Wien: kaiserlich-königliche
Hof- und Staatsdruckerei, 1890.

(Autor: Michael Laublättner)
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