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Michael
Laublättner (Ltg.)
Benedikt Rödel |
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2008 by Michael Laublättner |
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| Das
Arlbergtunnel-Westportal in Langen a/A (Sammlung: Benedikt Rödel) |
Der
Bau des Arlbergtunnels (Teil 2)
Anfang des Jahres 1882 wurde seitens der Bauunternehmung an die Beschaffung
weiterer Bohrmaschinen geschritten. So wurde auf der Ostseite die
Zahl der gleichzeitig eingesetzten Bohrmaschinen von 6 auf 8, jene
auf der Westseite von 2 allmählich auf 4 angehoben, wodurch die
durchschnittlichen Zeiten für einen Bohrangriff erheblich verkürzt
und somit der Fortschritt des Tunnelbaus nachhaltig beschleunigt werden
konnte.
Diese neu beschafften Bohrmaschinen unterschieden sich von ihren Vorgängern
nur insofern, als dass diese auf einer verstärkten Bohrsäule
aufgespannt waren. Eine wesentliche Verbesserung erfuhr auch der bewegliche
Kettenschlauch des Drehbohrsystems nach System Brandt, welcher das
Wasser der Druckleitung der Bohrmaschine zuführte.
Weiters gilt es darauf hinzuweisen, dass der lichte Durchmesser der
Zylinder sämtlicher nach System Philipp Mayer erbauter Wassersäulenmaschinen
verringert wurde, nachdem sich beim Bau des Arlbergtunnels gezeigt
hatte, dass die Reibung der Luft in der zur Anwendung gekommenen weiten
Rohrleitung weitaus geringer war, als ursprünglich zur Zeit der
Projektierung aufgrund anderweitiger Erfahrungen angenommen worden
war. Ferner konnte aufgrund dieser Maßnahme deutlich an Wasser
eingespart werden, was sich insbesondere in der Winterperiode von
Vorteil erwies.
Weiters wurde auf der Westseite eine zweite Ventilationsanlage in
einem Anbau an das Pumpenhaus in Betrieb genommen. Dies geschah basierend
auf der Annahme, dass das im Pumpenhaus zur Verfügung stehende
Wasser der oberen Alfenzleitung in günstiger Zeit nicht vollständig
für den Betrieb der Pumpen benötigt wurde, sodaß dieses
auch für den Betrieb einer Hilfsventilationsanlage herangezogen
werden konnte. Sollte sich jedoch der Wasserlauf der umliegenden Bäche
verringern, stand eine Reservedampfmaschine zur Verfügung, welche
durchaus in der Lage war, den Betrieb der Ventilationsanlagen auch
in wasserarmer Zeit zu gewährleisten.
Diese bereits im Jahre 1882 hergestellte Reserveventilationsanlage
bestand aus vier untereinander gekuppelten Hochdruckventilatoren,
von denen jeder über eine separate Turbine angetrieben wurde.
Die zwei getrennten, aus je drei gekuppelten Ventilatoren bestehenden
Gruppen der ersten Ventilationsanlage wurden zu einer Gruppe vereinigt,
wodurch sich alle sechs Ventilatoren gleichzeitig in Bewegung setzten
und somit die Effizienz der Anlage nachhaltig steigern ließ.
In Anbetracht der erzielten Effizienzsteigerung sah sich die Bauleitung
veranlasst, das Prinzip der Kuppelung der Ventilatoren auch weiterhin
beizubehalten, und die sechs Ventilatoren der unteren Gruppe mit den
vier Ventilatoren der Reserveventilationsanlage über eine Rohrleitung
zu verbinden, sodaß die am ersten Ventilator eingesaugte Luft
sämtliche zehn Ventilatoren passierte und den letzten Ventilator
mit einem Überdruck von 1/5 Atmosphären verließ.
Die Ventilation auf der Westseite des Arlbergtunnels konnte ferner
dahingehend gefördert werden, dass trotz aller damit verbundenen
Schwierigkeiten in der Herstellung und Erhaltung der 0,5 m weiten
Ventilationsluftleitung der soeben genannte Durchmesser nicht nur
in den fertiggestellten Tunnelabschnitten, sondern auch in den Arbeitsstrecken
- vormals betrug der Durchmesser in den Arbeitsstrecken 0,3 m - und
im Sohlenstollen beibehalten wurde.
Im Gegensatz zur Westseite musste auf der Ostseite die Ventilationsluftleitung,
welche einen Durchmesser von 0,4 m aufwies, nicht in unmittelbare
Nähe der Stollenbrust herangeführt werden, schließlich
sorgte die den Bohrmaschinen entströmende Luft im letzten Abschnitt
des Sohlenstollens für eine ausreichende Ventilation. Der tägliche
Stollenfortschritt im Jahresdurchschnitt kann folgender Tabelle entnommen
werden.
|
im
Jahre |
auf
der Ostseite |
auf
der Westseite |
zusammen |
|
1880 |
1,74
m |
1,61
m |
3,35
m |
|
1881 |
4,19
m |
2,89
m |
7,08
m |
|
1882 |
5,25
m |
4,60
m |
9,85
m |
|
1883 |
5,44
m |
5,44
m |
10,88
m |
Hinsichtlich der gesamten Bauzeit von 1880 bis 1883 betrug der tägliche
Stollenfortschritt im Durchschnitt auf der Ostseite 4,84 m, auf der
Westseite 4,50 m, zusammen 9,34 m. Die größte Tagesleistung
im Monatsdurchschnitt konnte im Oktober 1883 erzielt werden, diese
betrug auf der Ostseite 5,71 m, auf der Westseite 5,77 m, zusammen
11,48 m.
Weiters scheint es erwähnenswert, dass die Tunnelvollendungsarbeiten
nahezu gleichen Schritt mit dem Fortschritt des Sohlenstollens hielten,
sodaß bereits 6,5 Monate nach erfolgtem Stollendurchschlag die
Tunnelmauerung vollendet werden konnte.
Ferner mussten im Arlbergtunnel 4899 m Sohlengewölbe ausgeführt
werden, wovon 1308 m auf die Ostseite und 3591 m auf die Westseite
entfallen. Diese Sohlengewölbe gelangten jeweils unmittelbar
nach Fertigstellung des Widerlagers und des Kappengewölbes je
eines Ringes zur Ausführung, sodaß in der Regel mit dem
Ausbruch eines Ringes erst dann begonnen wurde, wenn das Sohlengewölbe
des Nachbarringes vollendet war.
Im ersten Kilometer der Westhälfte, gegen die Grenze des zweiten
Kilometers und auch darüber hinaus zeigten sich unbedeutende
Bewegungen in den Widerlagern, welche nach erfolgter Herstellung der
Sohlengewölbe gänzlich nachließen. Anders verhielt
sich dies im zweiten Kilometer der Westhälfte, hier waren im
Herbst 1882 in einzelnen Ringen bedeutende Bewegungen aufgetreten,
sodaß von der Herstellung von Sicherungsbauten, sowie der vollständigen
Auswechslung von sechs Ringen aufgrund von Verdrückungen nicht
abgesehen werden konnte.
Sämtliche Auswechslungsarbeiten konnten ohne Beeinträchtigung
der übrigen Tunnelarbeiten und ohne störenden Zwischenfall
durchgeführt werden. Um in Hinkunft weitere Bewegungen zu vermeiden,
wurde seitens der Bauleitung ein langsameres Tempo bei den Ausbrucharbeiten
auf der Westseite, sowie eine größere Entfernung für
die einzelnen Hauptaufbrüche vorgeschrieben, was sich schließlich
von Vorteil erwies.
Alle im Tunnel aufgetretenen Bewegungen kamen nach Fertigstellung
des Tunnelmauerwerks einer längeren Strecke, sowie nach vollständiger
Herstellung der Sohlengewölbe endgültig zur Ruhe. Sämtliche
Druckerscheinungen und die damit verbundenen Deformierungen des Mauerwerks
wurden auch in der Folgezeit aufs sorgfältigste beobachtet.
Von Vorteil erwies sich im drückenden Gebirge auch die Herstellung
von Entwässerungsstollen, welche in die Leibung des Tunnels getrieben
wurden und den Zweck hatten, jenes Wasser, welches unter Umständen
enorme Druckerscheinungen herbeiführte, abzuleiten.
Jene anfänglich für die Förderung des Ausbruchmaterials
auf der Ostseite beschafften kleinen Dampflokomotiven gewöhnlicher
Bauart, sowie jene auf der Westseite eingesetzten Pferde erwiesen
sich in Anbetracht der zu bewältigenden Arbeiten im vorgerückteren
Stadium des Tunnelbaus als unzureichend, schließlich beeinflussten
die Dampflokomotiven die Ventilation zu ungünstig, ferner konnte
mithilfe des Pferdetransports keine zufriedenstellende Leistung erzielt
werden.
Aus den eben genannten Gründen sah sich die Bauleitung veranlasst,
die Beschaffung eines neuen Beförderungsmittels in Angriff zu
nehmen. Nach eingehendem Studium der Problematik glaubte diese mit
dem Ankauf von Lokomotiven mit hochgespanntem Dampf die richtige Entscheidung
getroffen zu haben. Jene seitens der Firma Kraus & Komp. in München
konstruierten Lokomotiven konnten mit einem Kesseldruck von 15 Atmosphären
in Betrieb genommen werden, wodurch das Nachheizen währen der
Fahrt im Tunnel entbehrlich wurde, selbst wenn der Druck im Kessel
auf 8 oder gar 6 Atmosphären absank.
Die Entwicklung von Rauch und schädlichen Gasen im Tunnel konnte
somit auf ein Minimum reduziert werden. Auf der Ostseite des Tunnels,
wo diese Maschinen zuerst Verwendung fanden und sich bewährt
hatten, standen 4, auf der Westseite 5 Maschinen im Einsatz. Der Einsatz
dieser Lokomotiven blieb jedoch auf die bereits fertiggestellten Tunnelabschnitte
beschränkt, in den übrigen Abschnitten, in denen noch gearbeitet
wurde, erfolgte der Abtransport des Ausbruchmaterials von Menschenhand
in eigens hierfür vorgesehenen Wagen.
Auf der Ostseite wurden auch für diese letzteren Transporte die
Lokomotiven herangezogen, indem die Wagen mithilfe von Kupplungsbalken
miteinander verbunden und in weiterer Folge von einer im fertiggestellten
Tunnelabschnitt befindlichen Lokomotive bewegt wurden. Diese Wagenzüge
erreichten je nach Bedarf eine Länge von bis zu einem Kilometer.
In den Monaten Jänner bis Mai des Jahres 1882 bestand das auf
der Ostseite durch den Sohlenstollen aufgefahrene Gestein vorwiegend
aus Gneis. Hiernach erfolgte jedoch ein Gesteinswechsel, so wurde
in weiterer Folge insbesondere granatführender, später quarzreicher
Glimmerschiefer angetroffen. Stellenweise erwies sich auch auf der
Ostseite das Gebirge als äußerst brüchig, weshalb
in jenen Abschnitten von der Ausführung starker Mauerwerksprofile
mit Sohlengewölbe nicht abgesehen werden konnte.
Auf der Westseite entsprach das durch den Sohlenstollen aufgefahrene
Gestein in seiner Zusammensetzung im Wesentlichen dem nach dem Gesteinswechsel
auf der Ostseite Angefahrenen. Es zeigte sich jedoch häufig Wasserandrang,
ferner trat der Quarzgehalt stellenweise sehr stark zurück.
Das in der zweiten Hälfte des Jahres 1883 aufgefahrene Gestein
kann auf beiden Tunnelseiten in bautechnischer Hinsicht als nahezu
gleich betrachtet werden.
Wie bereits angedeutet, musste im Herbst 1882 im 2. Kilometer der
Westhälfte aufgrund der in diesem Abschnitt aufgetretenen Deformierung
des Tunnelmauerwerks infolge des enormen Gebirgsdrucks an die vollständige
Auswechslung von sechs Ringen geschritten werden (Bischoff: 49-55).
Wie sich in der Folgezeit jedoch herausstellen sollte, konnte selbst
dieses Mauerwerk dem gewaltigen Gebirgsdruck auf die Dauer nicht standhalten,
weshalb bereits im Mai 1892 die Rekonstruktion einzelner Ringe (Nr.
911, 912, 913, 927 und 928) in diesem Bereich in Angriff genommen
werden musste.
Diese Arbeiten erfuhren jedoch in jenen Fällen, in denen beim
Ausbrechen des alten Mauerwerks weitere Schäden festgestellt
werden konnten oder die Freihaltung des vorgeschriebenen Lichtraumprofils
die Auswechslung verdrückter Partien erforderlich machten, eine
Ausdehnung.
Vorerst musste hingegen zwischen den beiden bestehenden Tunnelgleisen
in der Mitte des Tunnels zwischen km 107,5 bis km 107,6 ein drittes
Gleis verlegt werden, sodaß der Fahrbetrieb auch während
der Auswechslungsarbeiten aufrecht erhalten werden konnte, wobei darauf
zu achten war, dass der zweigleisige Fahrbetrieb im Arlbergtunnel
keine nennenswerte Unterbrechung erfuhr.
Nach der Fertigstellung des mittleren Gleises erfolgte dessen Einbindung
in die bereits bestehenden Tunnelgleise mithilfe von Bögen, welche
einen Radius von 200 m aufwiesen, wobei die Einbindung dermaßen
erfolgte, dass die Einfahrten der Züge in den Tunnel wie bisher
auf dem linken, somit richtigen Gleis abgewickelt werden konnten,
wobei die Ausfahrten der Züge aus dem Tunnel schließlich
auf dem rechten bzw. falschen Gleis erfolgen mussten.
Unmittelbar nach der Aufnahme des eingleisigen Fahrbetriebs im Arlbergtunnel
wurde mit dem Aufstellen von Einbaubögen aus Lärchenholz
begonnen, mit welchen die zu bearbeitenden Ringe noch vor der Inangriffnahme
der Ausbruchsarbeiten unterfangen werden sollten. Zur Aufstellung
eines vor Tag gefertigten Holzbogens, der in drei Teilen mithilfe
eines Materialzuges an Ort und Stelle befördert wurde, benötigen
20 Mann ca. 1 Stunde und 45 Minuten.
Nach erfolgter Aufstellung der Einbaubögen konnte schließlich,
ausgehend vom Scheitel des Gewölbes mit dem Ausbruch des Mauerwerks
und somit mit den eigentlichen Rekonstruktionsarbeiten begonnen werden.
Hierbei wurde stets nur eine Hälfte einer Ringlänge, was
einer Strecke von ungefähr 3,30 m entspricht, in Arbeit genommen,
um zu verhindern, dass beim Aufschließen des Gebirges weitere
schädliche Druckerscheinungen auftraten.
Die für die Wiederaufmauerung des Tunnelmauerwerks verwendeten
Steine, sehr lagerhafte, druckfeste, ausgesuchte Gneisplatten, wurden
allesamt dem Jungbrunntobel-Steinbruch oberhalb von St. Anton a/A
entnommen. In der Regel wurde das Widerlager, welches sich in einem
guten Zustand befand, belassen, allein die Gewölbe mussten neu
aufgemauert werden.
Um die Arbeiten möglichst schnell voranzutreiben, wurden mindestens
drei Halbringe gleichzeitig in Angriff genommen, sodaß bereits
im September die Rekonstruktionsarbeiten vollendet waren. Anschließend
ließ man die Ringe noch vier Wochen auf den Holzbögen stehen.
Am 6. Oktober 1892 konnte schließlich der zweigleisige Betrieb
im Arlbergtunnel wieder aufgenommen werden (Denkschrift aus Anlass
des zehnjährigen Betriebes: 100-102).

Bischoff,
Friedrich. Denkschrift der k. k. General-Direktion der österr.
Staatsbahnen über den Fortschritt der Projektirungs- und Bauarbeiten
der Arlberg-Bahn: Schluss. 3. Bd. Wien: kaiserlich-königliche
Hof- und Staatsdruckerei, 1890.
k. k. Staatsbahndirection Innsbruck, Hg. Die Arlbergbahn: Denkschrift
aus Anlass des zehnjährigen Betriebes 1884-1894. Innsbruck: k.
k. Staatsbahndirection Innsbruck, 1896.

(Autor: Michael Laublättner)
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